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Thema Missbrauch an erster Stelle

Ab Montag treffen sich deutsche Bischöfe in Lingen

Die Missbrauchsskandale in der Kirche bestimmen die Agenda der Frühjahrs-Vollversammlung der katholischen Bischöfe ab Montag in Lingen. Bis Donnerstag stehen in der niedersächsischen Stadt Beratungen zu dem Thema an.

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Die Missbrauchsskandale in der Kirche bestimmen die Agenda der Frühjahrs-Vollversammlung der katholischen Bischöfe ab Montag in Lingen. Bis Donnerstag stehen in der niedersächsischen Stadt Beratungen zu dem Thema an. Auf der Tagesordnung ist auch die Situation von Frauen in Leitungspositionen. Außerdem wollen die Bischöfe den katholischen Weltjugendtag in Panama auswerten, der Ende Januar mit Papst Franziskus gefeiert wurde. Zum Auftakt der Sitzung wurden der Apostolische Nuntius in Deutschland, Erzbischof Nikola Eterovic, sowie als Gast Kardinal Gregorio Rosa Chávez aus El Salvador erwartet.

Von den Bischöfen müssten Anstöße für einen echten Strukturwandel in der katholischen Kirche ausgehen, forderte der Moraltheologe Elmar Kos angesichts immer neuer Missbrauchsskandale. Es sei nach jahrzehntelangen Diskussionen über die Aufhebung des Pflichtzölibats, über Weihemöglichkeiten für Frauen und die Anerkennung der Homosexualität an der Zeit, dass Schritte zur Umsetzung unternommen würden, sagte Kos dem Evangelischen Pressedienst (epd).

Moraltheologe: Bischöfe sollten ein bisschen mutiger sein

Veränderungen seien notwendig, um sexuellem Missbrauch vorzubeugen, betonte der Professor für Systematische Theologie an der Universität Vechta. Die Bischöfe sollten „ein bisschen mutiger sein und Rom konkrete Vorschläge unterbreiten“, forderte er. „Die Zeit, immer nur darüber zu reden, ist vorbei.“ Kos plädierte dafür, das kürzlich vom Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode vorgestellte Konzept zur Aufarbeitung, Prävention und Intervention als Grundlage für ein einheitliches Konzept gegen sexuellen Missbrauch für alle Bistümer aufzugreifen. Im Kern sieht es vor, externe Fachleute und Betroffene in die verschiedenen Arbeitsbereiche mindestens paritätisch mit einzubeziehen.

Auch die Opferinitiative „Eckiger Tisch“ forderte die deutschen Bischöfe zu konkreten Maßnahmen auf. „Es braucht klare Schritte hin zu einer unabhängigen Aufarbeitung in den Bistümern und einer angemessenen Entschädigung für die Opfer“, sagte Matthias Katsch, Sprecher der Organisation, der „Neuen Osnabrücker Zeitung“. Die Ordensgemeinschaften, in deren Trägerschaft zahlreiche Einrichtungen lagen, in denen Kinder zu Schaden kamen, seien in gleicher Weise gefordert. Ebenso die Träger der vielen Heime und Einrichtungen der Jugendhilfe. „Die Kirche in Deutschland insgesamt ist zu einer gemeinsamen Anstrengung aufgerufen“, sagte Katsch.

Staat müsse Kirche zwingen mit Behörden zusammenzuarbeiten

Ebenso hat die katholische Laienorganisation „Wir sind Kirche“ die Bischöfe zu sofortigem Handeln aufgefordert. Sie hat darüber hinaus an den Staat appelliert, die katholische Kirche in die Pflicht zu nehmen. Diese müsse gezwungen werden, mit den Strafverfolgungsbehörden bei der Aufklärung der Missbrauchsfälle zusammenzuarbeiten.

Die Deutsche Bischofskonferenz ist ein Zusammenschluss der katholischen Bischöfe aller Diözesen in Deutschland. Derzeit gehören ihr 67 Mitglieder aus den 27 deutschen Diözesen an. Oberstes Gremium der Deutschen Bischofskonferenz ist die Vollversammlung aller Bischöfe, die regelmäßig im Frühjahr und Herbst für mehrere Tage zusammentritt.

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