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Malteser im Libanon: Noch nie so viele Verletzte gesehen

Caritas ruft zu Spenden für Menschen in Beirut auf

Nach der verheerenden Explosion in der libanesischen Hauptstadt Beirut Caritas international mit mindestens 135 Toten, 5.000 Verletzten und 300.000 Obdachlosen ruft Caritas international dringend zu Spenden auf.

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Caritas international hat 100.000 Euro an Soforthilfe für die Katastrophe in Beirut bereit gestellt, um die Caritas Libanon zu unterstützen. Nach der Explosion haben Mitarbeiter in zwei Gesundheitszentren und mobile Teams Verletzte versorgen können. Benötigt werden vor allemMedikamente.

Die Caritas bittet um weitere Spenden auf das Konto bei der Bank für Sozialwirtschaft Karlsruhe, IBAN: DE88 6602 0500 0202 0202 02, BIC: BFSWDE33KRL, oder online unter www.caritas-international.de.

In mehreren Gesundheitszentren im Land versorgt die Caritas Libanon, mit der Caritas international als Auslandshilfe-Abteilung der deutschen Caritas seit vielen Jahren eng zusammen arbeitet, vor allem syrische Flüchtlinge. Die zwei Zentren in Beirut sind unversehrt geblieben und konnten unmittelbar Hilfe leisten. Zudem sind zwei mobile Einheiten in der Stadt unterwegs. Caritas Libanon verfügt zudem über ein weites Netz an Freiwilligen, die sofort mit der Verteilung von Mahlzeiten und Aufräumarbeiten begonnen haben. 

Malteser helfen im Zentrum von Beirut

Zahlreiche Verletzte werden im Krankenhaus der Malteser versorgt, das im Zentrum von Beirut liegt. Das meldet der Malteser Hilfsdienst Deutschland. Raymond Tarabay, Partnerkoordinator im Libanon, berichte: „Eine solche Menge von Verletzten habe ich persönlich noch nicht gesehen. Es ist traurig und dramatisch." Es fehle an Medikamenten, technischem Gerät, Fensterscheiben des Krankenhauses seien geborsten, Hygienemaßnahmen fast unmöglich einzuhalten. „Tausende Familien haben ihr Zuhause verloren und mussten in der vergangenen Nacht auf der Straße übernachten, ohne mit Getränken oder etwas zu essen versorgt zu werden. Diese Menschen brauchen jetzt schnelle Hilfe.“

Freiwillige Helfer der Malteser würden nun damit beginnen, vor allem ältere Menschen und Menschen mit Behinderungen zu unterstützen. „Wir ziehen alle medizinischen Kapazitäten, die die Malteser im Libanon haben, in Beirut zusammen. Mit mobilen medizinischen Teams an der syrischen Grenze haben wir viele Menschen versorgen können. Diese Teams werden in den nächsten Tagen in Beirut benötigt,“ sagt Clemens Mirbach, Länderkoordinator bei Malteser International.

„Unruhen, weitere Explosionen, Krieg?“

Unterdessen wird die Sorge vor weiterer Eskalation laut. Die Menschen im Libanon hätten schon vor der Corona-Krise „am Abgrund“ gelebt, erklärte die Präsidentin der SOS Kinderdörfer im Libanon, Afifa Arsanios Dirani, am Donnerstag in Beirut. Die Explosion am Dienstag habe die ohnehin dramatische Lage eskalieren lassen. Der Schock sitze bei vielen Menschen tief, und sie wüssten nicht, was als nächstes komme: „Unruhen, weitere Explosionen oder sogar Krieg?“

Die Hilfsorganisation sei während des Bürgerkriegs in der Stadt präsent gewesen, fügte Arsanios Dirani hinzu. Eine Explosion wie diese hätten die Mitarbeiter jedoch noch nie erlebt. Die Helfer richteten derzeit Notunterkünfte ein, um betroffene Familien zu unterstützen.

„Erinnert an 9/11 in New York“

Der Leiter des Beiruter Büros der Konrad-Adenauer-Stiftung, Malte Gaier, rief zu internationaler Notfallhilfe auf. Die Katastrophe habe den Libanon in eine humanitäre Notlage gestürzt, sagte er der „Passauer Neuen Presse“. Beirut brauche Hilfe bei den Aufräumarbeiten und bei der medizinischen Versorgung.

Ganze Viertel der Hauptstadt lägen in Schutt und Asche, betonte Gaier. Die Situation „erinnert an 9/11 in New York“. Zudem sei mit einer Verschärfung der Wirtschafts- und Finanzkrise zu rechnen; dazu komme die Corona-Pandemie. „Da wird dieses Unglück zu einem weiteren Brandbeschleuniger.“ Dass der Hafen völlig zerstört sei, mache die Versorgung und Hilfe der Menschen noch weitaus schwieriger.

Was in Beirut geschehen ist

Eine Explosion im Hafen von Beirut am Dienstagabend hatte nach jüngsten Schätzungen mindestes 135 Menschen getötet und 5.000 weitere verletzt. Häuser in weiten Teilen der Stadt wurden zerstört oder beschädigt. Nach örtlichen Medienangaben wurden 300.000 Hauptstadtbewohner obdachlos. Die genaue Ursache für die Explosion ist bisher unklar. Medienberichten zufolge sollen rund 2.750 Tonnen Ammoniumnitrat in einer ungesicherten Lagerhalle im Beiruter Hafen Feuer gefangen haben und explodiert sein.

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