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Katholische Landvolkbewegung (KLB) will Betriebe verstärkt vernetzen

Corona: Landwirte stehen vor entscheidenden Wochen

Landwirte stehen wegen der Corona-Pandemie auch im Bistum Münster vor entscheidenden Wochen. Die Katholische Landvolkbewegung will helfen, dass die Bertriebe zusammenrücken.

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Die Landwirtschaft in den Regionen des Bistums Münster hat es bislang noch nicht flächendeckend hart getroffen, sagt Bernd Hante. Der Diözesanpräses der Katholischen Landvolkbewegung (KLB) und der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) ergänzt die Aussage aber sofort: „Das kann sich jedoch schnell ändern.“ Zu unsicher ist in seinen Augen die Situation mit Blick auf die vielen Faktoren, die das System der landwirtschaftlichen Betriebe beeinflussen. „Import- und Export-Verhältnisse, Lieferketten, Preis-Entwicklungen, Personal-Lage…“

Er gibt zu, dass auch die katholischen Verbände im Bistum von der Härte der Pandemie überrascht worden sind. „Wir haben nicht geahnt, dass das so durchschlagen würde.“ Die Ängste und Sorgen sind mittlerweile auf den Höfen angekommen. In unterschiedlicher Form – das hat Hante in vielen Gesprächen der letzten Tage herausgehört. Familiäre Verhältnisse, einbrechende Möglichkeiten bei der Direktvermarktung oder Sorgen um die Weiterführung des Betriebs bei einer Corona-Diagnose in der Belegschaft gehören dazu. „Neben den wirtschaftlichen Fragen geht es dabei vor allem um die alltägliche Situation vor Ort.“

Familienschicksale

Die sieht etwa auf dem Spargelhof Becker in Münster derzeit völlig anders aus als sonst zu dieser Jahreszeit. Der bange Blick von Stephan Becker geht vor allem in Richtung Saisonarbeiter, die bald anreisen müssten, um die Ernte von Spargel und Erdbeeren zu sichern. „Davon leben wir“, sagt er. „In drei Monaten ist die Erntezeit vorbei.“ Wenn bis sich bis dahin nicht viel getan hat, sieht er „schwarz“.

Bernd Hante ist Diözesanpräses der KLB und der KLJB im Bistum Münster.
Bernd Hante ist Diözesanpräses der KLB und der KLJB im Bistum Münster. | Foto: Michael Bönte

Etwa 300 Arbeiter, vornehmlich aus Polen, kommen im Frühjahr als Helfer auf seinen Hof. „Dass sie unsicher sind, ist doch klar“, sagt Becker. „Sie sitzen im Ernstfall doch auch lieber daheim in Quarantäne als hier.“ Wenngleich die Not seiner Helfer groß ist, wenn ihre Anreise nicht möglich wird. „An ihrer Arbeit hängen ganze Familien-Schicksale.“ Er selbst tut alles, um den Ausnahmezustand so schnell wie möglich zu beenden. Auf seinem Hof hat er die Arbeitsbereiche strikt voneinander getrennt, die Hygiene-Maßnahmen noch einmal verschärft und eine Schutzmasken-Pflicht eingeführt. „Für mich wirkt das alles echt skurril.“

Atmosphäre darf nicht kippen

Hygiene steht auch auf dem Milchvieh-Betrieb der Familie Blömer in Rhede derzeit an erster Stelle. „Wir achten immer darauf, jetzt noch einmal verschärft“, sagt Birgit Blömer. „Denn eine Quarantäne würde vieles erschweren.“ Nach derzeitigem Stand wäre die Produktion weiterhin zwar möglich, ob das bei den vielen derzeitigen Unwegsamkeiten aber so bleiben wird, weiß sie nicht.

Umso wichtiger ist der 44-Jährigen, dass sie die Atmosphäre auf dem Hof mit drei Generationen stärkt. „Als Unternehmerin mache ich unseren Angestellten Mut, als Mutter und Tochter verbreite ich gute Laune.“ Am gemeinsamen Esstisch darf keine Trübsal geblasen werden: „Da hilft manchmal auch eine große Portion Eis zum Nachtisch.“

Christliches Fundament prägt bäuerliche Familien

Die KLB und KLJB wollen reagieren, sagt Hante. Eine Art Krisenstab ist geplant, vor allem die Kommunikation unter den Betrieben soll unterstützt werden. „Die Fragen, wie der eine die Situation meistert, kann dem anderen helfen.“ Zurückreifen können die Verbände auf bestehende Netzwerke, in denen sich ohnehin regional ausgetauscht wird. „Sie gilt es für die aktuelle Phase zu aktivieren.

Der Verbands-Präses will auch seelsorglich aktiv werden. „Wir müssen in dieser Zeit Mut machen.“ Er plant einen Ostergruß, in dem er deutlich machen möchte, dass er an die „enorme Kraft der Menschen in Krisenzeiten“ glaubt. Gerade das christliche Fundament vieler bäuerlicher Familien werde jetzt helfen, sagt er. „Wir haben eine gute Botschaft, auch für diese Momente.“

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