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Wie die Situation im Bistum Münster gemeistert wird

Corona: Schulseelsorge weiterhin vor großen Herausforderungen

  • Schulseelsorger Michael Diercks: Im Lockdown sind alle Beratungsprozesse auf Null.
  • „Barcamp“ für alle Schulseelsorger soll für Online-Angebote sensibilisieren.
  • Die Erfahrung zeigt: Analoge, kurze Bibelimpulse werden gut angenommen.

Am Ende war doch alles gut: Das Arnold-Janssen-Gymnasium Neunkirchen konnte nach einem erneuten zweiwöchigen Lockdown keine Coronafälle verzeichnen. 80 Mitarbeiter und 1000 Schüler waren von der Schließung betroffen. Für alle Beteiligten eine erneute Belastung, aber Schulseelsorger Michael Diercks bedauert den Einbruch der Schülerkontakte auch aus einem anderen Grund: „Ohne sie sind wir kaum handlungsfähig.“

Insgesamt sind laut Abteilung Schulpastoral des Bischöflichen Generalvikariats im westfälischen Teil des Bistums Münster 99 Schulseelsorgerinnen und -seelsorger im Einsatz, 29 davon an bischöflichen allgemeinbildenden Schulen, 16 an Berufskollegs in bischöflicher Trägerschaft.  Gilt Lernen auf Distanz, dann haben die Schüler Unterricht laut Plan und sind per Telefon oder Computer zu den Unterrichtszeiten erreichbar – das gilt auch für die Schulseelsorger.

Diercks, seit mehr als zehn Jahren Schulseelsorger an dem Gymnasium, schildert, was so eine abrupte Trennung für seine Arbeit bedeutet: „Ich bekomme über Eltern und Lehrer Anfragen mit, aber nicht über die Schüler. Sie selber melden sich nicht, das war beim ersten Lockdown auch schon so.“  Der Theologe arbeitet eng mit den Kolleginnen der psychosozialen Beratung an der Schule zusammen. „Wir haben festgestellt, wenn wir nicht vor Ort sind, Face-to-Face, dann brechen uns die gesamten Beratungsprozesse weg.“

Online- Seelsorge wird von Schülern kaum angenommen

Schulseelsorger Michael Diercks arbeitet seit über zehn Jahren am AJG Neuenkirchen. | Foto: privat
Schulseelsorger Michael Diercks arbeitet seit über zehn Jahren am AJG Neuenkirchen. | Foto: privat

Von Kollegen weiß er, dass Angebote wie Telefon-Hotlines oder Online-Impulse auch an anderen Schulen kaum angenommen werden: „Das Schulsystem lebt von Nähe und niederschwelligen Angeboten: Man sieht sich und geht aufeinander zu. So läuft das.“ In Quarantäne-Zeiten würden Konflikte nur verschleppt, nicht gelöst. Klassen, die begleitet werden, wenn zum Beispiel eine Mobbingsituation besteht, würden wieder in die alten Muster rutschen: „Opfer wurden wieder zu Opfer.“ 

Die Schulseelsorger sind aber nicht nur für die Schüler da: „Auch Lehrer sind vom Lernen auf Distanz belastet. Da kommt es dann zu Situationen, dass Unterricht am Bildschirm nicht möglich ist, weil parallel im Gruppenchat der Jugendlichen auf dem Handy 260 Nachrichten geschickt werden.“

Wie können Schulseelsorger mit den Jugendlichen in Kontakt bleiben? Und wie geht den Lehrern in ihrem Job? Was gibt es für Perspektiven für die Schulseelsorge? Unterstützung erhielten die Schulseelsorger und Religionslehrer von Patrick Schnoden, Leiter des Referats Liturgie in der Schule beim Bischöflichen Generalvikariat im Bistum Münster. Über ein Online-Barcamp tauschten sich Schulseelsorger aus und gingen zum Teil online: Jens Hagemann aus Warendorf hat „Schulseelsorge on Tour gemacht“ und für Schüler in Quarantäne Videos ihrer Lieblingsorte gedreht. Aus Greven gibt es das Evangelium als Instagram-Story.

Stunden statt Tage religiöser Orientierung 

Diakon Wolfgang Rensinghoff ist hauptamtlicher Schulseelsorger am Gymnasium Johanneum mit Internatsanschluss Schloß Loburg Ostbevern. | Foto: privat
Diakon Wolfgang Rensinghoff ist hauptamtlicher Schulseelsorger am Gymnasium Johanneum mit Internatsanschluss Schloß Loburg Ostbevern. | Foto: privat

Für einen Bereich der Schulseelsorge haben Hygienekonzepte und Abstandsregelungen besonders einschneidende Konsequenzen: „Wir sind noch mitten in der Corona-Krise. Das hat für uns viele praktische Folgen, wie zum Beispiel bei den Tagen religiöser Orientierung“, berichtet Diakon Wolfgang Rensinghoff, hauptamtlicher Schulseelsorger am Gymnasium Johanneum mit Internatsanschluss Schloß Loburg Ostbevern. Für die neu auf der Schule angekommenen fünften Klassen seien diese Besinnungstage eine wichtige Zeit zur Selbstfindung: „Diese Tage holen wir jetzt in kleinen Einheiten auf dem Schulgelände nach, so erleben die Schüler wenigstens ein bisschen von dem, was sie hätten haben können.“

Corona hat die Seelsorge verändert: In kleineren Gruppen würde wieder Gottesdienst gefeiert. Dabei stehe ein einzelnes Bibelwort, das in die momentane Situation der Menschen im Internat passt, im Mittelpunkt eines kurzen Impulses: „Das tut uns gut, zumal 60 Prozent der Internatsschüler kaum eine kirchliche Bindung haben und von einer Eucharistiefeier schnell überfordert sind. Mit diesen Bibelimpulsen haben wir für uns etwas Positives mitgenommen aus Corona.“

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