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Interview mit Pfarrer Stefan Jürgens aus Ahaus

Desinfektionsmittel als Weihwasser – warum nicht?

Seit Corona-Beginn sind die Weihwasserbecken an den Kircheingängen leer, um Infektionen zu vermeiden. Stattdessen „begrüßen“ Desinfektionsmittelspender die Kirchenbesucher. Da lässt sich doch das eine mit dem anderen verbinden – oder?

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Seit Corona-Beginn sind die Weihwasserbecken an den Kircheingängen leer, um Infektionen zu vermeiden. Stattdessen „begrüßen“ Desinfektionsmittelspender die Kirchenbesucher. Da lässt sich doch das eine mit dem anderen verbinden – oder etwa nicht? Wir haben Pfarrer Stefan Jürgens in Ahaus gefragt, warum man nicht einfach das Desinfektionsmittel als Weihwasser nutzen kann.

Pfarrer Jürgens, wie verhalte ich mich beim Betreten der Kirche denn jetzt richtig? Muss ich mir Weihwasser von zuhause mitbringen oder reicht auch ein „trockenes Kreuzzeichen“?  

In den sogenannten Weihwasserbecken am Eingang der Kirche ist in der Regel übriggebliebenes Taufwasser. Damit wird schon klar: Wenn ich mich beim Betreten oder Verlassen der Kirche mit dem Wasser bekreuzige, mache ich das zur Erinnerung an meine Taufe. Mir wird bewusst, dass ich Christ bin und zur Gemeinschaft der Kirche gehöre. Wenn die Weihwasserbecken leer sind – und nicht nur dann –, mache ich eben nur eine Kniebeuge in Richtung Tabernakel.

Im Weihwasserbecken wird also das Taufwasser weiterverwendet. Aber was machen Sie, wenn das Taufwasser mal ausgeht? Wie wird neues Weihwasser hergestellt?

Weihwasser ist ganz normales Leitungswasser. Darüber wird ein Segensgebet gesprochen und dann hat es für uns Christen die Bedeutung von Taufwasser. Ich spreche bewusst immer von Taufwasser, nicht von Weihwasser. Es wäre ein frommer Zauber zu meinen, man könne Weihwasser irgendwo beziehen oder dem Wasser durch ein Segensgebet irgendetwas hinzufügen, wodurch es aus sich heraus eine Wirkung bekäme. Das wäre Magie. Im Glauben geht es aber nicht um wirkmächtige Gegenstände oder magische Beschwörung, sondern um Beziehung. Das Taufwasser ist ein Glaubenszeichen, das eine Beziehung zwischen Gott und mir und den Christen untereinander zum Ausdruck bringt.

Können wir dann nicht einfach ein paar Tropfen Taufwasser in die Desinfektionsmittelspender am Kircheneingang geben? Dann haben wir auch wieder ein haptisches Element für unsere Tauferinnerung.

Das würde ja wieder eine magische Vorstellung unterstreichen. Es wäre nicht nur frommer Zauber, sondern geradezu albern. Wenn es kein Weihwasser gibt, dann gibt es eben keins. Es geht auch ohne. Eine Ersatzflüssigkeit wäre ein leeres Ritual, kein Beziehungszeichen.

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