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Auftakt der Vortragsreihe "Dom-Gedanken"

DRK-Präsident Seiters: In Europa fehlt die Solidarität

Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, hat Europas Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. "Das Fehlen von Solidarität ist das brennendste Problem", sagte er am Mittwoch (17.08.2016) im St.-Paulus-Dom in Münster.

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Der Präsident des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Rudolf Seiters, hat Europas Flüchtlingspolitik scharf kritisiert. "Das Fehlen von Solidarität ist das brennendste Problem", sagte er am Mittwoch (17.08.2016) im St.-Paulus-Dom in Münster. Er sprach am ersten Abend der Vortragsreihe "Dom-Gedanken", die in diesem Jahr unter der Leitfrage "Warum solidarisch?" stehen.

Es brauche "ein faires Verteilsystem für Flüchtlinge und eine europäische Gesamtkonzeption", sagte der frühere Bundesinnenminister. Auch die Weltgemeinschaft sei ihrer Verantwortung in der Vergangenheit allzu oft nicht nachgekommen: "Die Welt als großes Solidarsystem wird leider eine Utopie bleiben, und die globalen Fluchtbewegungen werden eher noch zunehmen." Ein Patentrezept zur Lösung der Konflikte gebe es nicht, aber das Ziel, sie zu entschärfen, müsse eindeutig sein.

"Katastrophe" in Syrien

Flucht und Vertreibung hätten eine neue Dimension erreicht, die dringend nach einer Antwort der Weltgemeinschaft verlange, forderte der CDU-Politiker. So habe die Zahl der Naturkatastrophen in den vergangenen 15 Jahren dramatisch zugenommen: "Wir in den Industrieländern sind mitverantwortlich für solche Katastrophen, unter anderem wegen der Ausbeutung der Ressourcen und der ungleichen Handelsbedingungen."

Die Lage in Syrien bezeichnete der frühere Bundestagsvizepräsident als "eine der schlimmsten humanitären Katastrophen seit Ende des Zweiten Weltkriegs". Solange es dort keine Lösung gebe, bleibe eine Hauptursache der Flüchtlingsbewegung bestehen.

Lob für ehrenamtliche Flüchtlings-Helfer

Seiters lobte, 2015 sei für ihn "das Jahr der Flüchtlinge und der Ehrenamtlichen" gewesen. Ohne die vielen ehrenamtlichen Helfer wäre der deutsche Staat nicht in der Lage, mehr als eine Million Flüchtlinge zu betreuen: "Die Hilfsbereitschaft ist nach wie vor überwältigend. In dieser Form, in dieser Größenordnung und über einen so langen Zeitraum haben wir das in Deutschland noch nie gesehen."

Helfer sollten sich von Anschlägen wie in Würzburg und Ansbach nicht entmutigen lassen, appellierte Seiters. Auch müsse alles getan werden, um die Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt zu integrieren. Zu hohe Erwartungen könnten allerdings zu Enttäuschungen führen. "Die Integration ist ein Prozess, der über Jahre hinweg andauert", sagte der DRK-Präsident.

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