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Jesuitenschüler, Unterdrücker – doch später suchte er die Annährung

Fidel Castro ist tot: Sein Verhältnis zur katholischen Kirche

Fidel Castro war Jesuitenschüler, später Sozialist, er unterdrückte die katholische Kirche. Doch der Gesprächsfaden riss nie ab. Papst Franziskus und seine beiden Vorgänger traf Castro sogar.

 

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Bart, dicke Zigarre, olivgrüne Uniform und stundenlange, ermüdende Reden über die Vorzüge des Sozialismus – so kannte die Welt Fidel Castro. Fast 50 Jahre lang regierte er Kuba mit harter Hand. Trotz seines Rückzugs vor zehn Jahren blieb der „Maximo Lider“ eine der schillerndsten Figuren der Weltpolitik. Am Freitagabend Ortszeit ist er im Alter von 90 Jahren gestorben, bestätigte sein Bruder und Nachfolger als Staatschef, Raul Castro.

Was für ein Mensch war Fidel? Boris Coloma, früherer Dolmetscher und Vertrauter, äußerte sich zum 90. Geburtstag Castros zwiespältig: Er sei „eine beeindruckende Persönlichkeit“ gewesen – mit scharfem Verstand. „Ich habe ihn aber auch als Choleriker erlebt, der Mitarbeiter obszön beschimpfte.“ Im Lauf der Jahre habe er mit dem Comandante „innerlich gebrochen“. Coloma, der inzwischen in Berlin lebt, bilanzierte: „Fidel hat die Revolution verraten.“

Jesuitenschüler und Revolutionär

Castro galt einst als Hoffnungsträger einer Bevölkerung, die in den 1950er Jahren von Fulgencio Batista und dessen Militärs unterdrückt wurde. Als unehelicher Sohn eines spanischen Plantagenbesitzers geboren, fiel Fidel schon in der Schulzeit in einem Jesuitenkolleg Havannas durch Ehrgeiz und unbezwingbaren Willen auf: Einmal soll er mit dem Fahrrad absichtlich gegen eine Mauer gerast sein – um zu beweisen, dass Angst und Schmerz ihn nicht aufhalten können.

Die Karrierehoffnungen Castros, der sich im Jura-Studium und als Anwalt gegen die korrupte Regierung engagierte, wurden 1952 jäh zerstört. Kurz vor den Wahlen riss der frühere Unteroffizier Batista durch einen Putsch die Macht an sich. Castro wurde Revolutionär. Ein von ihm organisierter Umsturzversuch scheiterte am 26. Juli 1953. Doch der redegewandte Guerillero versuchte es nach einem Exil in Mexiko erneut und fand so großen Zulauf, dass er 1959 siegreich in Havanna einzog.

Frühe Skepsis in der Kirche

In der katholischen Kirche regte sich schon kurz nach der Machtübernahme Skepsis: „Wenn sich Dr. Fidel Castro, Dr. Manuel Urrutia und ihre Mitstreiter an den bewährten sozialethischen Prinzipien orientieren, machen sie sich um Gott und Vaterland verdient. Wenn sie es aber nicht tun, dann würden sie wenig erreichen, diese neuen Männer, in die eine übergroße Mehrheit unseres Volkes jetzt ihr Vertrauen setzt“, hieß es in einem Hirtenbrief des Erzbischofs von Santiago de Cuba.

Bald drängte Castro den bürgerlichen Präsidenten Urrutia ins Exil, unterdrückte kritische Stimmen und auch die Kirche, ließ kirchliche Schulen schließen, ordnete die Verbannung von Nonnen und Priestern an. Insgesamt mussten in den 1960er Jahren rund 2.500 Priester und Ordensleute die Insel verlassen.

Treffen mit zwei Päpsten

Der Gesprächsfaden zur Kirche riss dennoch nie ab. Nach dem Untergang seines Hauptgeldgebers Sowjetunion unternahm Castro vorsichtige Annäherungsversuche. 1996 traf er Johannes Paul II. in Rom. Zwei Jahre später besuchte der polnische Papst Havanna. Danach wurde auf Kuba ein Weihnachtsfeiertag wieder eingeführt, politische Gefangene gelangten in Freiheit.

Die Annäherung ging in kleinen Schritten weiter. Fidels Bruder Raul (85), der 2006 die Regierung übernahm, setzte den Kurs fort. Die Päpste Benedikt XVI. (2012) und Franziskus (2015) reisten nach Kuba, beide trafen Fidel Castro. Franziskus erzielte durch seine Vermittlermission zwischen den USA und Kuba historische Fortschritte.

Franziskus trauert – Würdigung von Adveniat

Der Papst bekundete am Samstag Beileid zum Tod Fidel Castros. Er wolle Raul Castro, den Angehörigen, der Regierung und dem kubanischen Volk sein Bedauern ausdrücken, heißt es in einem Telegramm. Franziskus bezeichnet Castros Tod darin als „traurige Nachricht“. Er sagt sein Gebet für den verstorbenen Revolutionsführer zu.

Der Hauptgeschäftsführer des katholischen Lateinamerika-Hilfswerks Adveniat, Bernd Klaschka, würdigte Fidel Castro als prägend für Kuba. Castro habe „sehr viel für sein Volk getan, insbesondere im Bildungs- und im Gesundheitswesen“, sagte Klaschka dem Kölner Domradio. Klaschka ist Priester des Bistums Münster. Er hob die Begegnungen Castros mit drei Päpsten hervor. Diese hätten für die Kubaner und die Kirche „Türen geöffnet“.

Lange hätten sich Kubas Katholiken nicht frei versammeln können, so Klaschka. Zwar seien sie nicht verfolgt worden, hätten jedoch keinen Zugang zu öffentlichen Ämtern gehabt, weil sich Kuba als atheistischer Staat definiert habe. Dies habe sich jedoch noch unter Fidel Castro verändert. Heute genössen die Katholiken auf Kuba Versammlungsfreiheit, könnten jedoch nicht in die Öffentlichkeit wirken.

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