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Vorsitzende des SkF Oldenburg ist jetzt Landessprecherin

Juristin sucht neue Ideen für Sozialdienst katholischer Frauen

Uta Tebben-Spanka ist jetzt Sprecherin aller oldenburgischen SkF-Vereine. Warum sich die Frau in ihrem Verein in der Stadt Oldenburg einsetzt und wie sie ihn voranbringen will.

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Sie schrieb zum zweiten Mal das Vorwort für den Jahresbericht. „Da habe ich gedacht: Das hast du doch voriges Jahr schon mal geschrieben“, erinnert sich Uta Tebben-Spanka. Nichts Neues beim Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) in Oldenburg? Die Vorsitzende sagte sich: „Wir müssen mal wieder etwas Neues probieren, überlegen: Wo wird noch Hilfe gebraucht in unserer Stadt?“

Hilfe in Oldenburg – die liefert der SkF seit Jahrzehnten, etwa mit einer Schwangeren-Konfliktberatung, mit einem Hebammendienst oder mit einem Betreuungsverein. Das bestreitet Uta Tebben-Spanka gar nicht. Ihr ging und geht es nur darum, offen auf mögliche Notlagen zu schauen.

Die Frage war: Wo können wir neu helfen?

So schildert sie heute jedenfalls ihre Gedanken. Deshalb setzte sie sich damals auch mit den Kolleginnen im Vorstand und den Mitarbeiterinnen zusammen und überlegte: Wo kann der SkF neu Hilfe bieten?

So kam zum Beispiel das Projekt „Familienpatinnen“ ins Rollen. Da begleiten ehrenamtliche Frauen eine Familie, die bei der Betreuung eines Kindes an ihre Grenzen stößt. „Unser Vorteil: Wir sind nicht einfach jemand vom Amt, der kontrolliert. Wir kommen einfach vorbei und bieten Hilfe auf Zeit an.“ Das sei für viele Familien in schwieriger Lage ein „Luxus“, den sie gerne annähmen.

Als Juristin bei Rechtsfragen

Damals war Uta Tebben-Spanka selbst noch nicht lange beim SkF. Angefangen hatte sie bei dessen Betreuungsverein. Der begleitet Ehrenamtliche, die vom Gericht als Betreuer etwa von psychisch Kranken bestellt werden. Viele rechtliche Fragen – da war Uta Tebben-Spanka als Juristin genau am richtigen Platz.

Damals waren die drei Kinder schon längst in der Schule, sie hatte Zeit, sich auch anders einzusetzen. Eine Bekannte aus der Gemeinde St. Peter sprach sie auf Mitarbeit im SkF an.

Sie wollte immer schon sozial arbeiten

Von dem Verein habe sie gar keine klare Vorstellung gehabt, erinnert sich Tebben-Spanka. Sie war überrascht über die Vielfalt und Breite der sozialen Arbeit. „Ich habe Feuer gefangen, denn ich wollte immer schon mal was Soziales machen.“ Wenige Monate später wurde sie zur Vorsitzenden des SkF Oldenburg gewählt, vor wenigen Wochen dann zur Sprecherin aller oldenburgischen SkF-Vereine.

Sie kam als Ehrenamtliche mit dem unverstellten Blick von draußen; da habe sie viel von der Erfahrung und dem Wissen der fest angestellten Fachfrauen gelernt. „Eine wunderbare Kombination: Wir suchen gemeinsam, was wir besser machen können – und wie sich das verwirklichen lässt.“

Das Müttercafé ist das jüngste Projekt

Etwa das Müttercafé, das jüngste Projekt des SkF. Immer freitags kommen am Nachmittag junge Mütter beim SkF in der Peterstraße zusammen und reden – auch mal ohne ihre Kinder. Die werden nebenan in einem Spielzimmer von ehrenamtlichen Frauen des SkF betreut.

Sie wisse „wie jede andere Mutter auch“, wie wichtig solch ein Angebot für junge Mütter sei. Besonders natürlich für allein erziehende junge Mütter, die Rat suchen bei den Beraterinnen des SkF. Für sie ein gutes Beispiel: „Ehrenamtliche leisten eine Arbeit, die Hauptamtliche nicht mehr leisten können. Beide spüren in der alltäglichen Arbeit, wo Not herrscht und etwas passieren muss.“

Warum das soziale Kaufhaus blüht

Auch im Sozialen Kaufhaus des SkF. Eine Einrichtung, die gespendete Kleidung, Kinderbücher, Spiele und Hausrat verkauft und von 60 ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen getragen wird. Von den Anfängen, als alles kostenlos abgegeben wurde, ist der SkF weg. „Es sollte würdevoller werden, einfach ein Ort, wo alle shoppen können und eben auch einen Preis bezahlen.“ Nur eher niedrig. Der Laden laufe „super“, Spenden und Zuspruch stimmen, vor Jahren schon hat der SkF einen zweiten in der Nachbarstadt Westerstede eröffnet.

Ein Zuspruch, den sich der SkF Oldenburg hart erarbeitet hat und mit allen seinen Angeboten auch erarbeiten muss. Denn in einer Großstadt wie Oldenburg ist sein Angebot eines unter vielen, in einer Stadt, in der nur jeder sechste katholisch ist und nicht jeder zweite wie im Süden des Oldenburger Landes.

Anderswo hat es der SkF leichter

„In Vechta und in Cloppenburg hat der SkF natürlich einen ganz anderen Stand“, sagt Uta Tebben-Spanka. „Da kennt ihn jeder und weiß, wie wichtig er ist.“ Da spricht die neue Landes-Sprecherin, die genau beobachtet, wie die soziale Arbeit der Kirche anderswo läuft.

Ist diese Arbeit in Oldenburg schwieriger? Uta Tebben-Spanka überlegt. Allgemeine Kritik an der Kirche, etwa wegen des Missbrauch-Skandals, „bekommen wir als katholischer Sozialdienst natürlich zu hören“, in einer Stadt wie Oldenburg vielleicht sogar noch stärker. Aber ehrenamtliche Mitarbeiterinnen zu finden – das sei kaum ein Problem.

Einfach Raum bieten für ehrenamtlichen Einsatz

Warum? „Viele Frauen suchen einfach einen Raum, um sich ehrenamtlich sozial einsetzen zu können – und diesen Raum bieten wir ihnen.“ Viele hätten sicher Kritik an der Kirche, „aber die sehen einfach ihre praktische Arbeit, die wollen helfen“. Dass die Kirche den Einsatz in dieser Form möglich mache, „das finden die Frauen nur positiv“.

Der SkF Oldenburg wird jetzt 90 Jahre alt. Uta Tebben-Spanka nimmt das Jubiläum auch als Ansporn, nach Neuem zu suchen. Auch wenn es nur bedeutet, bestehende Angebote zu verstärken. Etwa die besondere Beratung, die der SkF im Klinikum Kreyenbrück anbietet.
Dort lassen sich werdende Mütter untersuchen; sie wollen wissen, ob ihr Kind behindert ist. Direkt neben der Praxis sitzt stundenweise eine Beraterin des SkF und bietet Gespräche an, wenn die Paare vor einem Befund stehen, der sie erschüttert.

„Wie fängt man eine solche Familie auf?“ fragt Uta Tebben-Spanka nachdenklich. Der SkF stehe dort bereit, für sie aber nicht oft genug. Für mehr Beratungszeit fehlen Zuschüsse. Zuschüsse einwerben bei Stadt, Kirche und Sponsoren – auch das ist Uta Tebben-Spankas Arbeit. In diesem Fall ist sie mit besonderer Energie dabei, wie sie versichert.

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