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Trauergottesdienst in der Hedwigskathedrale in Berlin

Kirche und Politik würdigen Kohl als Christen und Europäer

Bundesminister und Abgeordnete aller Fraktionen haben am Dienstag in einer Totenmesse in Berlin Abschied von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) genommen. Der katholische Prälat Karl Jüsten würdigte in der Predigt die „weitherzige Katholizität“ Kohls.

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Wenige Tage vor dem offiziellen Trauerzeremoniell in Straßburg und Speyer haben am Dienstag in Berlin Bundesminister und Abgeordnete aller Fraktionen in einer Totenmesse Abschied von Altbundeskanzler Helmut Kohl (CDU) genommen. Zu dem Gottesdienst in der katholischen Hedwigskathedrale kamen auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundestagspräsident Norbert Lammert (beide CDU).

Der Unions-Fraktionsvorsitzende Volker Kauder würdigte Kohl als großen Europäer und deutschen Patrioten. Patriot zu sein bedeute heute, Europäer zu sein, sagte Kauder. Die „vielleicht größte Vision“ Kohls und seiner Generation sei ein Europa ohne Grenzen und in Frieden. Diese Leistung gelte es zu bewahren: „Wir verneigen uns vor dem großen Lebenswerk Helmut Kohls“.

„Weitherzige Katholizität“

Erzbischof Heiner Koch sagte, mit dem Gedenkgottesdienst werde ein Zeichen der Verbundenheit und des Glaubens gesetzt. Das ehemals geteilte Erzbistum Berlin wisse, was es dem Europäer und Katholiken Kohl zu verdanken habe.

Prälat Karl Jüsten, Leiter des Katholischen Büros Berlin, ging in der Predigt auf den Glauben des Katholiken Kohl ein. Er habe ihm in schwierigen Entscheidungssituationen Mut zum Handeln gegeben. Die „weitherzige Katholizität“ des Altkanzlers und die Liebe zu seiner evangelischen Frau Hannelore hätten ihn angetrieben, „ein gutes Miteinander der Kirchen und der Christen einzufordern“.

Unabhängigkeit gegenüber den Kirchen

Jüsten ging auf die Meinungsverschiedenheit zwischen Kohls Söhnen und der zweiten Ehefrau Maike Kohl-Richter ein und mahnte zur Zurückhaltung. „Wir Außenstehenden sollten uns bei der Bewertung dieser unterschiedlichen Sichtweisen zurückhalten“, sagte Jüsten und wünschte den Familienteilen „Versöhnung und Frieden“.

Der Prälat hob die Unabhängigkeit des früheren Bundeskanzlers gegenüber den Kirchen hervor. „Wenn ihm etwas nicht passte, dann sagte er das dem Ratsvorsitzenden der EKD genauso wie dem Papst.“ Zwar habe Kohl den Beitrag Johannes Pauls II. zum Fall des Eisernen Vorhangs und der Wiedervereinigung immer betont. „Das hinderte ihn aber nicht daran, ihn zu kritisieren, wenn er die nach seiner Meinung Falschen zu Bischöfen ernannte.“

Weitere Trauerfeiern am Samstag

Die Totenmesse war von der Unionsfraktion initiiert worden. Damit sollte dem Wunsch vieler Abgeordneter entsprochen werden, auch in der Bundeshauptstadt im Rahmen einer kirchlichen Feier Kohls zu gedenken.

Für den CDU-Politiker, der von 1982 bis 1998 Bundeskanzler war, wird es am Samstag erstmals einen europäischen Trauerakt im Europäischen Parlament Straßburg geben. Anschließend soll der Leichnam in Speyer beigesetzt werden. Kohl war am 16. Juni im Alter von 87 Jahren in seiner Geburtsstadt Ludwigshafen gestorben.

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