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Die Mauritzkirche wird 950 Jahre alt – die große Feier fällt aus

Kirchjubiläum in Münster gestoppt – Corona ist nicht schuld

Vor mehr als 950 Jahren begann der Bau der Mauritzkirche in Münsters Osten. Viele Feiern fielen wegen Corona aus. Dass nun auch der Abschluss des Jubiläumsjahrs deutlich kleiner wird, liegt aber nicht an den Virus-Schutzregeln.

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Vor mehr als 950 Jahren begann der Bau der Mauritzkirche in Münsters Osten. Das wollte die Pfarrei eigentlich in diesem Jahr feiern. Vieles fiel wegen Corona aus. Dass nun auch der Abschluss des Jubiläumsjahrs deutlich kleiner wird, liegt aber nicht an den Virus-Schutzregeln.

Am 20. September, dem Sonntag vor dem Mauritiustag, hatte die Pfarrei einen Gottesdienst mit Bischof Felix Genn unter den Bäumen neben der Kirche geplant. „Wir feiern auf jeden Fall“, beschloss der Festausschuss. „Auch wenn’s regnet. Wir sind Münsteraner, damit können wir umgehen.“

Fünf Blindgänger

Mit fünf Blindgängern aus dem Zweiten Weltkrieg hatten die Engagierten nicht gerechnet. Alle Verdachtspunkte liegen im Stadtteil Mauritz rund um die Kirche.

Münsters Stadtverwaltung entschied, alle Fundstellen am selben Tag zu überprüfen, um nur einmal evakuieren zu müssen. Bis zu 16.000 Menschen sind betroffen, das Franziskus-Hospital mit rund 600 Betten bereitet die Evakuierung großer Teile vor, auch das Mutterhaus des Ordens der Mauritzer Franziskanerinnen wird geräumt. Und zwar sonntags, wenn es keinen Schulbetrieb und Berufsverkehr gibt.

Entschärfung ließ sich nicht verschieben

„Als das klar war, habe ich die Stadt gebeten, nicht am Tag unseres Jubiläums zu evakuieren“, sagt Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann. Aber am 13. September sind Kommunalwahlen, am 27. September könnte es zur Stichwahl um das Amt des Oberbürgermeisters kommen. Blieb der 20. September. So sprengt die Entschärfung den Festgottesdienst an der Mauritzkirche.

Seinen Abschluss soll das Kirchjubiläum nun am Montag und Dienstag darauf finden. Für den 21. September war in der Mauritzkirche um 19.30 Uhr ohnehin ein Vortrag des münsterschen Mittelalter-Historikers Gerd Althoff über Mauritius und dessen Bedeutung unter anderem für die deutsche Kaiserdynastie der Ottonen organisiert. Ein Abendgebet soll sich nun anschließen. Am Gedenktag des Kirchpatrons, am 22. September, feiern die Mauritzer regulär um 18 Uhr Gottesdienst – in der Kirche, die wegen der Corona-Schutzregeln rund 60 Plätze hat.

Der neue Abschluss des Festjahrs


Der Festausschuss um (von links) den Pfarreirats-Vorsitzenden Klaus Remke, Pfarrer Hans-Rudolf Gehrmann, um Pastor Torsten Jortzick (vierter von rechts), Gemeinde-Koordinator an der Mauritzkirche, und Brigitte Benneweg (dritte von rechts), Vorsitzende des Ortsgemeinderats St. Mauritz. | Foto: Jens Joest

Nach dem Gottesdienst sind noch zwei Programmpunkte geplant. Zum einen erscheint zum 950-jährigen Baujubiläum ein Bildband über die Mauritzkirche. Zum anderen bringen Schüler von Irene Hohenbüchler von der Kunstakademie Münster temporär ein Kunstwerk an der Erphokapelle an der Westseite der Kirche an. Die fächerartige Holzkonstruktion wird abends von LED-Lampen illuminiert, was an den Heiligenschein des Kirchpatrons Mauritius erinnern soll.

Die kurzfristige Absage des Freiluft-Gottesdienstes erschwert natürlich die Planungen für die Alternative: „Wir hoffen, dass die Buchautoren und die Künstler am Abend des 22. September Zeit haben“, sagt Pfarrer Gehrmann. „Dann könnten wir den Mauritiustag – neben dem Gottesdienst – noch mit der Vorstellung des Buchs und der Kunstinstallation besonders gestalten.“

Der Baubeginn der Mauritzkirche ist nicht urkundlich überliefert. Allerdings wurden Gewölbebalken der Osttürme auf ihr Alter untersucht. Demnach befanden sich die Osttürme 1069/1070 bereits im Bau. Auf dieses Datum nimmt das 950-Jahr-Jubiläum Bezug. Die Kirche birgt somit die ältesten, bis heute aufrecht stehenden Mauern in der Stadt Münster. Den Grundstein der Kirche legte Bischof Friedrich I. St. Mauritz, später von Bischof Erpho geweiht, beherbergte ein Kanonikerstift und war seit frühester Zeit auch Pfarrkirche. Seit der Fusion mit benachbarten Gemeinden 2013 ist die Mauritzkirche Pfarrkirche von 22.000 Katholiken östlich des Hauptbahnhofs von Münster.

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