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Bischofskonferenz will innerkirchlichen Dialogprozess weiterführen

Marx warnt bei Katholikentag vor Auseinanderdriften der Gesellschaft

Erstmals hat die Deutsche Bischofskonferenz ein eigenes Podium bei einem Katholikentag. Dabei diskutierten deren Vorsitzender, Kardinal Reinhard Marx, Bischof Franz-Josef Overbeck und ZdK-Präsident Thomas Sternberg über Herausforderungen der Kirche.

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Der Vorsitzende der katholischen Deutschen Bischofskonferenz, Kardinal Reinhard Marx, warnt vor einer Gesellschaft, die immer weiter auseinanderdriftet. Eine drängende Frage sei daher, wie die Kirchen zu mehr Zusammenhalt beitragen können, sagte Marx am Freitag beim Katholikentag in Münster. Kirche und Gesellschaft seien nicht zwei voneinander getrennte Sphären.

Der Kardinal äußerte sich bei einem Podium, in dem es um die geplante Fortsetzung des mehrjährigen Gesprächsprozesses der Kirche in Deutschland ging. 2019 soll das Leitthema „Im Heute glauben“ in einer weiteren „überdiözesanen Dialogveranstaltung“ fortgeführt werden. Dabei soll es vor allem um den Beitrag der Kirche zum gesellschaftlichen Zusammenhalt gehen. Dieses Podium war das erste bei einem Katholikentag, das von der Deutschen Bischofskonferenz selbst organisiert wurde.

Overbeck: Es ist förderlich, aufeinander zu hören

Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck.Der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck. | Foto: Michael Bönte

Auch der Essener Bischof Franz-Josef Overbeck mahnte dabei ein gutes Miteinander von Kirche und Gesellschaft an. „Wir haben erfahren, dass es hilfreich und förderlich ist, miteinander nachzudenken und aufeinander zu hören.“ Positive Erfahrungen und ein vertrauensvoller Austausch hätten dazu geführt, dass die katholischen Bischöfe den Prozess fortsetzen wollten. Es sei für die Kirche in Deutschland hilfreich, sich „gemeinsam auf den Weg in die Zukunft zu machen“.

Der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, betonte, dass Christen in der Gesellschaft vor großen Herausforderungen stünden. Er nannte beispielsweise den Umgang mit Flüchtlingen. Die Welt sei schneller, globaler und digitaler geworden. Nötig seien gerechte, kompromissfähige politische Lösungen. Das funktioniere nur, wenn man sich öffne und „Verbündete“ über den Kreis der Katholiken hinaus suche.

Sternberg: Drängende Aufgaben für die Kirche

Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK).Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK). | Foto: pd

Die Kirche müsse sich „drängenden Aufgaben“ stellen, sagte Sternberg. „Der Priestermangel zeigt mittlerweile seine dramatischen Seiten.“ Die Laien wollten aber keine Kirchen ohne Priester. Sternberg verwies auf die Zusammenlegung von Gemeinden und die Zulassungsbedingungen zum Diakonat. Aktuell gebe es einen „Rückenwind“ für Reformen und keinen Grund für „Miesepeterei“.

Aus Sicht des Soziologen Hartmut Rosa können Kirche und Religion einiges für den Zusammenhalt der Gesellschaft leisten. Es gehe nicht unbedingt um einen bestimmten Wertekanon oder Standpunkt. Religion sei eine Haltung, eine „Form des In-Beziehung-Tretens“, die eine Resonanz zwischen den Menschen ermögliche. „Es gibt einen Hunger in der Gesellschaft, sich anrufen zu lassen.“ Diese Berührung könne auch religiöser Art sein.

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