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Appell für solidarischen und ökologischen Umbau der Wirtschaftsregeln

Mehr als 200 Bischöfe weltweit fordern Lieferkettengesetze

  • Katholische Bischöfe aus weltweit 43 Staaten haben strengere Gesetze gefordert, um Unternehmen und Konzerne zu Umweltschutz und zur Achtung der Menschenrechte zu verpflichten.
  • In ihrem Appell fordern die Kirchenvertreter einen solidarischen und ökologischen Umbau der Wirtschaftsregeln weltweit.
  • Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel warnte, das für Deutschland diskutierte Lieferkettengesetz zu verwässern.

 

 

Dieser Text ist Teil des Schwerpunktthemas Erntedank.

Katholische Bischöfe aus weltweit 43 Staaten haben strengere Gesetze gefordert, um Unternehmen und Konzerne zu Umweltschutz und zur Achtung der Menschenrechte zu verpflichten. Derzeit bestehe die Chance, einen fairen Wandel in Gang zu setzen und einem neuen Wirtschaftssystem den Weg zu bahnen, heißt es in einem am Montag veröffentlichten Appell von mehr als 200 katholischen Bischöfen.

Die Kirchenvertreter fordern einen solidarischen und ökologischen Umbau der Wirtschaftsregeln. Das „profitgetriebene System und die damit verbundene Wegwerfmentalität“ müssten enden. Ein wichtiges Instrument könnten dabei sogenannte Lieferkettengesetze bilden, die national wie international verabschiedet werden müssten.

Warnung an Deutschland

Misereor-Bischof Stephan Burger aus Freiburg sagte: „Das Lieferkettengesetz muss Menschenrechtsverletzungen und Umweltschäden in den Wertschöpfungsketten deutscher Unternehmen wirksam vorbeugen und möglichen Betroffenen den Zugang zu deutschen Zivilgerichten erleichtern.“

Misereor-Geschäftsführer Pirmin Spiegel warnte, das für Deutschland diskutierte Lieferkettengesetz zu verwässern. „Ein Gesetz, das menschenrechtliche Sorgfaltspflichten auf die 250 größten Unternehmen sowie auf das erste Glied der Lieferkette beschränkt und keine Haftungsregelung enthält, wäre kein Fortschritt, sondern ein gravierender Rückschritt gegenüber dem bisherigen Status quo.“

Kinderarbeit, Landraub, Gewalt

In der gemeinsamen Erklärung kritisieren die Bischöfe, dass viele Unternehmen Menschen und Umwelt ausbeuteten. Sie vermieden Steuern, die für Gemeinschaftsaufgaben wie Gesundheitswesen oder Bildungseinrichtungen nötig wären und seien mitschuldig an Menschenrechtsverletzungen wie Zwangs- und Kinderarbeit, heißt es in dem Appell, der in einer ersten Fassung erstmals im Juli veröffentlicht wurde.

Ein echtes Umdenken sei nur durch klare nationale und internationale Gesetze zu erreichen. „Durch Leitlinien und freiwillige Ansätze gelingt es nicht, Menschen und den Planeten vor Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen zu schützen.“ Zudem müssten alle Arbeitnehmer das Recht erhalten, bei Gesetzesverstößen klagen zu können. Die Bischöfe verweisen etwa auf Landraub, die Ermordung von Menschenrechtsaktivisten, Kinder- und Zwangsarbeit, geschlechterspezifische Gewalt sowie Umweltzerstörung und die Abholzung von Wäldern.

Welche deutschen Bischöfe unterschrieben haben

Der von der internationalen Allianz katholischer Entwicklungsorganisationen Cidse sowie von Misereor unterstützte Aufruf wurde bislang von 233 Bischöfen aus weltweit 43 Staaten unterzeichnet. Unterschrieben haben aus Deutschland die Bischöfe Stephan Ackermann (Trier), Georg Bätzing (Limburg), Franz-Josef Bode (Osnabrück), Stephan Burger (Freiburg), Helmut Dieser (Aachen), Michael Gerber (Fulda), Gregor Maria Hanke (Eichstätt), Franz Jung (Würzburg), Reinhard Marx (München), Bertram Meier (Augsburg), Stefan Oster (Passau), Ludwig Schick (Bamberg) und Heiner Wilmer (Hildesheim).

Auf Nachfrage von „Kirche-und-Leben.de“ erklärte die Bischöfliche Pressestelle in Münster, dass auch Weihbischof Rolf Lohmann, in der Bischofskonferenz für Umweltfragen zuständig, den Appell „voll und ganz, besonders auch im Blick auf die Aussage von Erzbischof Burger in der Frankfurter Rundschau“ unterstützt. Auch Bischof Felix Genn sei mit dem Anliegen, das der Appell zum Ausdruck bringt, völlig einverstanden.

UPDATE: Stellungnahmen aus dem Bistum Münster (29.09.2020, 19:00) | mn
 

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