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Weisheit, Psychologie und Spiritualität aus den Niederlanden

„Mindstyle-Magazine“ im Trend – Hohe Auflagen mit wenig Inhalt

Die Hochglanz-Blätter kosten zwischen fünf und sieben Euro, haben viel bunte Bilder und wenig Inhalt: Sogenannte „Mindstyle-Magazine“ wollen die weibliche Leserinnen-Seele streicheln.

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Der Markt für „Mindstyle“-Magazine wächst: Zeitschriften mit Titeln wie „Happinez“, „Auszeit“ oder „Emotion“ wollen die Seele streicheln. Von Weisheit, Psychologie und Spiritualität bis hin zu Bastelbögen, Glücksketten und Psychotests reicht die Themenpalette. Ziel ist vor allem eins: Die Leserin soll sich wohl fühlen.

Beim neusten Titel „Einfach sein“ aus dem Bauer-Verlag klappt das schon mal nicht. Die  vielen kleinen und großen bunten Bilder verwirren beim Lesen und  lenken zu sehr ab vom Inhalt, den es sowieso kaum gibt. Vermeintliche Probleme werden „weggegärtnert“ mit der „Garten-Therapie“ oder im „Selbsttest zur wahren Persönlichkeit“ analysiert.

Häng dir ein Kraftbild auf!

Wem das nicht reicht, der kann sich die „Happinez“, ebenfalls aus dem Bauer-Verlag, kaufen und sich ein „wunderschönes Kraftbild“ aufhängen. Der Spruch darunter lautet: „Ein Baum mit starken Wurzeln lacht über den Sturm“.


Die Leserin erfährt, wie sie ihre Seele „begrünen“ kann.|Foto: Marie-Theres Himstedt

Gewaltig sind allenfalls die Preise für diese Monatsmagazine: Zwischen fünf und sieben Euro kostet eine Ausgabe.

Der Markt ist da, das zeigt die Auflage.  „Flow“, verlegt von einer Tochterfirma von Gruner+Jahr und dem Landwirtschaftsverlag Münster, liegt mit einer Auflage von etwa 116  000 Exemplaren auf Platz zwei. Erschienen ist sie erstmals 2008 in den Niederlanden, 2013 kam die „Flow“ nach Deutschland. Spitzenreiter ist die „Happinez“ mit rund 138 000 verkauften Exemplaren.

Zielgruppe sind “Neue Spirituelle“

Die Idee zu solchen Wohlfühl-Heften stamme aus den Niederlanden, schreibt Branchenexperte Holger Christmann für den Verband Deutscher Zeitschriftenverleger (VDZ). Ein Viertel der Niederländer zähle sich zu den „Neuen Spirituellen“ – „zum Verdruss der christlichen Kirchen“, so Christmann.

Was in vielen dieser Gefühls-Gazetten zu kurz kommt, ist echtes Interesse am anderen. Es geht hauptsächlich um die Leserin und die Bedürfnisse, die sie haben sollte.

Früher erklärte die Kirche, heute die Psychologie

Diplom-Psychologe und Managercoach Louis Lewitan deutet diesen Umstand im Branchenmagazin des VDZ so: „Früher erklärte die Kirche, woran alles liegt und was zu tun ist. Nach wie vor gibt es aber ein Bedürfnis, Dinge im Zusammenhang zu begreifen.“

Themen wie Identitätsfindung und Selbstverwirklichung würden immer wichtiger. Das schlägt sich auch auf dem Zeitschriftenmarkt nieder – offenbar erfolgreich.

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