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MAV-Mitglied Martin Wennekers im Interview

Mitarbeitervertretungen im Bistum Münster werden gewählt

Die Mitarbeitervertretung (MAV) ist das Sprachrohr kirchlicher Angestellter dem Dienstgeber gegenüber. Am 5. April werden die Vertretungen im Bistum neu gewählt. Martin Wennekers engagiert sich in der MAV in Sonsbeck, im Bistum und bundesweit.

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Die Mitarbeitervertretung (MAV) ist das Sprachrohr kirchlicher Angestellter. Am 5. April werden die Vertretungen bistumsweit neu gewählt. Der 55-jährige Sozialpädagoge Martin Wennekers engagiert sich in der MAV in Sonsbeck-Hamb, im Bistum und bundesweit. Im Gespräch mit „Kirche+Leben“ erläutert er die zukünftigen Herausforderungen.

Kirche+Leben: Mit welchen Themen hat sich die MAV in den Einrichtungen im Kreisdekanat Kleve beschäftigt?

Martin Wennekers: In den vergangenen vier Jahren setzte die Regionale Arbeitsgemeinschaft ihre Schwerpunkte auf die wachsenden Anforderungen an die Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Enge Dienstpläne, befristete Arbeitsverhältnisse und hoher Krankenstand bedeuteten für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter ein hohes Maß an Engagement und zusätzliche Dienste. Themen wie Rente und Kirchliche Zusatzversorgungskasse, Betriebliches Eingliederungsmanagement, Burn out und Gesundheitsmanagement standen auf der Agenda, um den Vertretern der MAV Rüstzeug mitzugeben, dieses in ihren Einrichtungen umzusetzen.

Wie konnte die MAV bei diesen Problemen helfen?

Das durch die Grundordnung des kirchlichen Dienstes resultierende Recht, ihre Angelegenheiten selbst zu regeln, gibt den Mitarbeitervertreterinnen und Mitarbeitervertretern die Chance, im Rahmen der Dienstgemeinschaft Probleme gemeinsam und vertrauensvoll zu regeln. Insbesondere Schulungen wie beispielsweise im Mitarbeitervertretungsrecht, der regelmäßige Informations- und Erfahrungsaustausch innerhalb der regionalen Arbeitsgemeinschaft und die enge Zusammenarbeit mit den Rechtssekretären der KAB bilden ein stabiles Fundament, dieser Aufgabe gerecht zu werden und dieses Amt vor Ort kompetent auszufüllen.

Bei welchen strittigen Fragen hat die MAV eine starke Position gegenüber dem Dienstgeber?

Es geht nicht in erster Linie darum, starke Positionen dem Dienstgeber gegenüber aufzubauen und durchzusetzen. Vielmehr sind wir bestrebt, gemeinschaftlich mit ihm die Arbeitsbedingungen – auch unter allen Schwierigkeiten – so gut wie möglich zu gestalten und dieses hohe Niveau dann zu erhalten. Nur gemeinsam können die Probleme vor Ort für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zufriedenstellend gelöst werden. Die Mitarbeitervertretungsordnung bietet eine ausreichende Grundlage dafür. Sie muss nur konsequent umgesetzt werden. Sollte dann eine Einigung nicht stattfinden können, gibt die kirchliche Arbeitsgerichtsbarkeit beiden Seiten die Möglichkeit der gerichtlichen Klärung.

Bei welchen Problemen haben Sie gemeinsame Lösungen gefunden?

Zum Beispiel bei Regelungen zum Gesundheitsschutz oder bei Vereinbarungen zum Thema Sucht. Gemeinsame Richtlinien zum Umgang mit einem neuen Dienstplanprogramm beinhalten Vorgehensweisen und Schutzmechanismen für die Kolleginnen und Kollegen vor Ort. Es geht bei unserer Arbeit nicht nur um die Effizienz in der Arbeitswelt. Wir legen das Augenmerk auf die Menschen, die in den Einrichtungen arbeiten. Sowohl die MAV als auch die Leitungskräfte der Einrichtungen müssen beide Seiten im Blick haben: das Wohl der Belegschaft und das der Einrichtungen.

Was werden die Aufgaben der nächsten Periode sein?

Die Arbeit wird nicht einfacher werden. Wir werden die Schwerpunkte der letzten vier Jahre auch in den folgenden Jahren im Auge behalten. Ich bin mir sicher, dass Themen wie Finanzierung im Gesundheitsbereich, personelle Ausstattung von Einrichtungen aufgrund steigender Zahl älterer Kollegen, Arbeitsbedingungen und steigende Arbeitsvorgaben, aber auch Themen wie zum Beispiel die Mitarbeit am Thema Gesundheitswesen 4.0 eine große Rolle spielen. Hinter dieser Bezeichnung verbirgt sich der vermehrte Einsatz von Technik am Arbeitsplatz und die damit verbundenen Probleme. In der nächsten Zeit wird es außerdem verstärkt darum gehen, für Nachwuchs in den Mitarbeitervertretungen zu werben.

Was sind Hemmschuhe für ein Engagement in der MAV?

Hohe Belastung im Beruf, Familie und Freizeit geben wenig Raum, sich ehrenamtlich für die Einrichtung und die Kolleginnen und Kollegen einzusetzen. Dieses muss aber sein – und kann nur gelebt werden, wenn die in der Dienstgemeinschaft zusammen Arbeitenden gemeinsam dieses wollen und umsetzen. 45 Jahre Mitbestimmung im Bistum Münster und 30 Jahre Regionale Arbeitsgemeinschaft im Kreisdekanat Kleve sollten Mut machen, daran anzuknüpfen.

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