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Gruppen aus Recklinghausen, Kleve und Münster pilgern nach Rom

Obdachlose aus dem Bistum besuchen Papst Franziskus

Die 6.000 Pilger, die Papst Franziskus vom 11. bis zum 13. November zu einer Pilgerreise nach Rom eingeladen hat, haben etwas gemeinsam: Sie sind obdachlos. Unter ihnen sind auch Gruppen aus Recklinghausen, Münster und Kleve.

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6.000 Obdachlose pilgern vom 11. bis zum 13. November auf Einladung von Papst Franziskus nach Rom. Zu den Teilnehmern der Wallfahrt gehört auch eine zehnköpfige Gruppe der Gastkirche und des Gasthauses in Recklinghausen. Die Einrichtung bietet Frauen und Männern, denen es aus unterschiedlichen Gründen nicht gut geht, zahlreiche Hilfen an. „Zwischen 50 und 100 Menschen kommen beispielsweise zum Frühstück oder zum Mittagessen zu uns“, nennt Pfarrer Ludger Ernsting ein Angebot. Zudem stehen fünf Gästezimmer für Menschen in Krisensituationen bereit.

Eine Fahrt, um Kraft und Hoffnung zu schöpfen

Pfarrer Ludger Ernsting (2. von links) begleitet eine Gruppe des Gasthauses Recklinghausen auf der Obdachlosen-Wallfahrt. | Foto: Michaela Kiepe (pbm)
Pfarrer Ludger Ernsting (2. von links) begleitet eine Gruppe des Gasthauses Recklinghausen auf der Obdachlosen-Wallfahrt. | Foto: Michaela Kiepe (pbm)

Sieben „Freunde der Straße“ und drei Begleitpersonen machen sich zusammen mit 600 deutschen Pilgern auf den Weg in die Ewige Stadt. Einer von ihnen ist Thorsten. Er hat bereits drei Mal an Fahrten nach Taizé teilgenommen. Aber in Rom war er noch nie. „Die Fahrt ist für mich wie ein Urlaub für die Seele. Ich freue mich darauf, an besonderen Orten in Stille zu beten und zu erfahren, dass Gott mich so liebt wie ich bin“, sagt er.

Auch für Monika ist es die erste Wallfahrt nach Rom. „Ich wünsche mir, dass ich Kraft und Hoffnung schöpfen kann für ein neues Leben“, sagt sie.

Erinnerungen werden wach

Rund 30 Jahre ist es her, dass Olaf Schwedan in Rom unterwegs war. Er hat zum Vortreffen Fotos aus früheren Zeiten mitgebracht, die ihn zum Beispiel am Petersdom zeigen. „Ich fahre mit, weil ich zeigen will, dass ich meinen christlichen Glauben habe. Und ich will unserem Pfarrer den Rücken stärken, der eine tolle Arbeit im Gasthaus macht“, sagt er.

„Wir haben Menschen aus unserem Haus angesprochen, die einen Zugang zum Glauben haben und an den Obdachlosen-Wallfahrten, die wir für Nordrhein-Westfalen organisieren, teilgenommen haben“, erklärt Ernsting. Die sieben Teilnehmer fahren nicht nur für sich, sondern symbolisch auch für die anderen Menschen des Gasthauses. „Wir werden ihnen eine Karte schreiben und später ausführlich über unsere Erlebnisse berichten.“

Eine weitere Gruppe fährt aus Münster nach Rom. Wie Schwester Klara Maria Breuer von der Obdachlosenpastoral Münster berichtete, werden acht Frauen und Männern aus dem Umfeld des Straßenmagazins „Draußen“ an der Wallfahrt teilnehmen.

Nicht alle können mit

Wenn sich die zwölf Frauen aus dem Kreis Kleve Richtung Rom aufmachen, dann keineswegs zu einer gewöhnlichen Städtetour. Vielmehr möchten auch sie das Fest „Fratello – Bruder“ zum Ausklang des Jahrs der Barmherzigkeit feiern. Begleitet werden die Frauen von Haupt- und Ehrenamtlichen aus den Einrichtungen der Wohnungslosenhilfe – darunter der Sozialdienst katholischer Frauen.

Frauen aus dem Betreuten Wohnen und SkF-Mitarbeiterinnen des Kreises Kleve, darunter vom Begleit-Team Eszter Andor (hinten links) und Desiree van Koeverden (hinten 2. von links). | Foto: pd
Frauen aus dem Betreuten Wohnen und SkF-Mitarbeiterinnen des Kreises Kleve, darunter vom Begleit-Team Eszter Andor (hinten links) und Desiree van Koeverden (hinten 2. von links). | Foto: pd

Geschäftsführerin Janneke Zoller hatte auf einer Veranstaltung des Diözesan-Caritasverbands in Köln von der Fahrt erfahren und in ihrer Einrichtung dafür geworben. „Einige Kolleginnen waren sofort begeistert“, sagt Petra Hermsen-Beyer aus der Klever Fachberatungsstelle. „Ist es doch für die betroffenen Menschen eine große Chance, den Papst einmal persönlich zu sehen.“

Nach einem Auswahlverfahren stand fest, dass sie und drei Kolleginnen mit insgesamt acht Frauen aus dem Betreuten Wohnen die Reise antreten werden. „Wir hätten gerne noch mehr mitgenommen, aber es war alles schnell belegt“, bedauert die Pädagogin.

Audienz bei Franziskus

Am 11. November gibt es den ersten Höhepunkt in Form der Katechese mit Papst Franziskus. Außerdem stehen in den drei Tagen Besichtigungen, ein Kreuzweg oder ein Morgengebet auf dem Programm. „Wir nehmen uns aber auch ein wenig Freizeit“, sagt Eszter Andor, Organisatorin der Fahrt für die Gruppe.

Den Gottesdienst im Petersdom am 13. November möchte die Gruppe auf keinen Fall verpassen. „Ich kenne den Papst nur aus dem Fernsehen“, freut sich Brigitte, dem Heiligen Vater ganz nahe sein zu können.

Bei Katja werden dagegen Erinnerungen an ihre Schulzeit wach: „Ich war mit meiner Klasse vor vielen Jahren schon einmal in Rom. Damals gab es aber leider keine Audienz beim Papst. Um so mehr freue ich mich jetzt auf das Vater-Unser in lateinischer Sprache. Das musste ich im Unterricht immer vorwärts und rückwärts aufsagen.“

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