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Auf Augenhöhe mit Politikern aller Kontinente

Papstkenner in Münster: Franziskus stiftet Frieden in der Welt

Die Wahl von Donald Trump kommt dem Papst in gewisser Weise entgegen, meint der Argentinier Miguel Hirsch. Auf einer Veranstaltung von Kirche+Leben und Franz-Hitze-Haus sprach er über die Außenpolitik des Vatikans.

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„Dass nach 53 Jahren Funkstille die USA und Kuba 2015 erneut diplomatische Beziehungen aufgenommen haben, ist maßgeblich ein Verdienst von Papst Franziskus. Er hat sich persönlich in den Konflikt eingeschaltet und war an den Verhandlungen beteiligt“, sagte Miguel Hirsch bei der Forumsveranstaltung „Papst Franziskus: ein Friedenstifter? Weltpolitik aus den Vatikan“ im Franz-Hitze-Haus in Münster. Dieser erste außenpolitische Erfolg stehe am Anfang einer ganzen Reihe weltweiter friedensstiftender Initiativen der katholischen Kirche.

Der argentinische Autor und Journalist war auf Einladung von Kirche+Leben nach Münster gekommen und stellte in Kooperation mit dem Franz-Hitze-Haus vor 50 Zuschauern seine Thesen dar. Hirsch beobachtet seit Jahren die diplomatischen Aktivitäten des Papstes. Der Autor stützt sich dabei auch auf „gut informierte Kreise“ in Kirche und Vatikan.

Vertrauensvolles Verhältnis

Franziskus engagiere sich vor allem stark in verschiedenen Ländern Lateinamerikas. Hirsch nannte als Beispiele das krisengeschüttelte Venezuela, die Friedensverhandlungen zwischen der kolumbianischen Regierung und den Farc-Rebellen sowie die Grenzstreitigkeiten zwischen Bolivien und Chile.

„Bergoglio kennt alle führenden Persönlichkeiten in Kirche und Politik auf dem amerikanischen Kontinent und steht mit ihnen permanent in Kontakt“, sagte Hirsch. Mit dem scheidenden US-Präsidenten Barack Obama verbinde ihn ein vertrauensvolles Verhältnis.

Wahl von Trump kommt Franziskus entgegen

Obama habe mehrfach einen Satz des Papstes zitiert: „Todos somos americanos – Wir sind alle Amerikaner.“ Franziskus wolle mit dem Satz verdeutlichen, dass die Menschen auf dem gesamten amerikanischen Kontinent friedlich miteinander leben können, sagte Hirsch. Das Ziel werde der Papst auch unter dem künftigen US-Präsidenten verfolgen, obgleich dieser sich klar ablehnend gegenüber Migranten aus Lateinamerika positioniert habe.

Dem Papst käme die Wahl von Donald Trump in gewisser Weise sogar entgegen. Franziskus suche in Augenhöhe mit dem russischen Präsidenten Putin zu kommunizieren, zu dem Trump ein gutes Verhältnis habe, sagte Hirsch. Nicht die Person Trump, sondern das Programm Trump interessiere den Papst. „Franziskus wünscht sich, das ein gleichberechtigtes Verhältnis zwischen den USA und Russland zu Lösungen im Syrienkrieg führen“, sagte Hirsch.

Jorge Mario Bergoglio verstehe sich aber nicht als Machtpolitiker. „Er sieht seine Verpflichtung darin, Brücken zu bauen und allen Menschen zu helfen, die dasselbe tun wollen“, fasste Hirsch die weltpolitische Linie des Vatikans zusammen.

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