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Mieter-Befragung in Münster-Kinderhaus unterstreicht Handlungsbedarf

Pfarrgemeinden machen mobil gegen katastrophale Wohnverhältnisse

Die katastrophalen Wohnverhältnisse in Hochhäusern in Münster-Kinderhaus haben die Pfarrgemeinden des Stadtteils auf den Plan gerufen. Gemeinsam mit anderen Akteuren fordern sie sofortige Veränderungen.

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In der Diskussion um die zum Teil katastrophalen Wohnverhältnisse in einigen Hochhäusern in Münster-Kinderhaus haben sich die katholischen und evangelischen Pfarrgemeinden des Stadtteils mit Nachdruck zu Wort gemeldet. Heute wurden die Ergebnisse einer Bewohnerbefragung vorgestellt, die sie im vergangenen Jahr gemeinsam mit dem Begegnungszentrum Kinderhaus durchgeführt haben. Mehrere Pfarreimitglieder hatten sich an der Erhebung ehrenamtlich beteiligt.

„Es geht um Menschenwürde“, sagte Ulrich Messing, Pfarrer der dortigen Pfarrei St. Josef und St. Marien, bei der Vorstellung. „Wohnraum bedeutet nicht nur ein Dach über dem Kopf zu haben, es muss auch lebenswert sein, darunter zu wohnen.“ Durch viele Gespräche mit betroffenen Menschen etwa in den Sozialbüros war das Thema schon lange präsent. „Jetzt aber haben wir belastbare Zahlen, auf deren Grundlage wir uns fragen können, was wir als Gemeinde konkret tun müssen.“

Schimmel, Schädlinge, schleppende Sanierung

Es geht um insgesamt 638 Wohnungen in dem Stadtteil. Die Befragung hat die offensichtlichen Mängel mit Zahlen belegt. Schimmel, Feuchtigkeit, Schädlingsbefall sowie große technische und bauliche Defizite wurden dokumentiert. So erfuhren die Interviewer von etwa 270 befragten Bewohnern unter anderem, dass in einem Drittel der Wohnungen die Heizung defekt ist, fast die Hälfte mit Schimmel und über die Hälfte von Schädlingen befallen ist. Die Studie resümiert in einem Satz: „Handlungsbedarf besteht in nahezu allen Wohnbereichen.“

Pfarrerin Barbara Stoll-Großhans und Pfarrer Ulrich Messing.
Barbara Stoll-Großhans und Pfarrer Ulrich Messing vor einem der betroffenen Wohnblocks in Münster-Kinderhaus. | Foto: Michael Bönte

Schleppende Sanierungen, schlechter Zustand der Außenanlagen und eine problematische Zusammenarbeit mit der Hausverwaltung sind weitere Punkte, die von den Bewohnern beklagt wurden. Auch die gesundheitlichen Auswirkungen wurden dokumentiert. Besonders Kinder sind demnach häufig von Atemwegserkrankungen und Allergien betroffen.

„Monopoly auf Kosten der Mieter“

Der Wechsel des Inhabers Anfang diesen Jahres ist nach Meinung von Thomas Krollmann eine Chance, nach jahrelangem vergeblichen Engagement endlich weitreichende Veränderungen zu bewirken. Der Leiter des Begegnungszentrums hofft, dass das „Monopoly auf Kosten der Mieter“ endlich ein Ende hat. „Durch diese Zahlen steigt der Handlungsdruck, die unerträglichen Wohnverhältnisse zu beenden.“

Das zu unterstützen, sieht Messing als Auftrag für die Kirche. „Wir bleiben am Ball, um an der Seite der Menschen hier zu stehen.“ Wenn sich jetzt wieder nichts bewegt, will er „lauter und deutlicher“ werden. Rechtliche Schritte sind für ihn eine Möglichkeit. Aber auch eine bewusste Geldpolitik, da es sich beim neuen Inhaber um einen großen deutschen Investmentfond handelt. „Ich kenne durchaus finanzkräftige Anleger, die sich solidarisch erklären und anderswo investieren würden.“ Auch mit größeren Einrichtungen ist er zu diesem Thema schon im Gespräch.

Ängstliche Bewohner brauchen eine Stimme

„Wir haben als Kirchen eine gesellschaftliche Verantwortung“, sagte die Pfarrerin der evangelischen Markus-Gemeinde, Barbara Stoll-Großhans. Denn sie erlebe die Angst der Mieter vor Nachteilen, die sich ergeben könnten, wenn sie sich selbst gegen die Verhältnisse auflehnen würden. „Mögliche Mieterhöhungen und Kündigungen schrecken sie ab.“ Wenn die Kirchen ihren christlichen Auftrag ernstnehmen, müssten sie sich an die Seite dieser Menschen stellen. „Wir müssen denen, die sich nicht trauen, unserer Stimme geben.“

Thomas Kroll
Thomas Krollmann vom Begegnungszentrum Kinderhaus erklärt die Ergebnisse der Studie. | Foto: Michael Bönte

Die Forderungen des Aktionsbündnisses sind deutlich: Einige Wohnbereiche müssten umgehend komplett saniert werden. In anderen seien wichtige Reparaturen wie etwa die Instandsetzung von Aufzügen und Heizungen oder die Schädlingsbekämpfung sofort anzugehen. Auch die Absicherung bezahlbarer Mieten und Nebenkosten wird gefordert. All das sind auch in Messings Augen unumgängliche Maßnahmen, um für die Bewohner ein „Leben in Würde“ zu ermöglichen. „Das ist uns Christen in Kinderhaus eine Herzensangelegenheit.“

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