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Interview mit Markus Wonka vom Offizialat Vechta über die Rolle der Kirche während Corona

Seelsorgeamts-Leiter: Kirche ist nicht systemrelevant

Die Kirche habe in den letzten Monaten viel Gutes für Menschen bewirkt, ist Markus Wonka, Leiter der Abteilung Seelsorge im Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta, sicher. Aber ist sie deshalb systemrelevant? Wonka ist da zurückhaltend.

Herr Wonka, Ist die Kirche in dieser Zeit der Corona-Pandemie systemrelevant?

Wir haben als Kirche in vielerlei Hinsicht in den letzten Monaten viel Gutes für Menschen bewirkt. Aber ob wir deshalb schon systemrelevant sind? Da sollten wir sehr zurückhaltend sein. In den letzten Monaten haben uns Menschen an verschiedenen Stellen auch gezeigt, dass wir verzichtbar sind, dass ihnen in der Krise Anderes Halt und Orientierung bietet.

Woran konnte man das sehen?

Es heißt: Not lehrt beten. Wir konnten doch eher beobachten: Not lehrt vorsorgen. Oder: Not lehrt Verbesserung der medizinischen Grundversorgung. Nicht Theologen geben Orientierung, sondern Virologen. Ich glaube, als Kirche wird uns keine Pandemie retten, um wieder mehr Plausibilität zu bekommen.

Also ist die Kirche nicht systemrelevant.

Vielleicht sollten wir uns fragen, ob Systemrelevanz überhaupt zu unserem Wesenskern als Kirche gehört. Wir haben ja schließlich nicht den Auftrag, gesellschaftliche Systeme unkritisch zu stabilisieren.

Im Alltag der Krise hat sich die Kirche immerhin im Internet sehr kreativ gezeigt.

Natürlich brauchen wir auch digitale Bestrebungen. Die Corona-Pandemie hat auf dramatische Weise die Praxis unseres Glaubens, das gemeinsame Leben und Feiern unterbrochen. Aber glaube doch keiner, Fernsehgottesdienste oder live-streamings im Internet könnten leibhaftiges Feiern ersetzen!

Wenigstens hat die Kirche so versucht, trotz des Verbots öffentlicher Gottesdienste weiter präsent zu sein.

Es gab und gibt viele live-streamings von Gottesdiensten. Da können wir dankbar sein. Aber neben einigen ansprechenden Streamings konnte man gut gemeinte, aber doch auch unfreiwillig hilflose Bilder von Geistermessen sehen. Wir sollten nicht das Kind mit dem Bade ausschütten.

Wie meinen Sie das?

Gottesdienst ist ein dialogisches Geschehen der ganzen Gemeinde mit Gott. Seien wir vorsichtig, Gläubige mehr als nötig zu Zuschauern zu machen. Kirche, Liturgie und Pastoral braucht das hartnäckige Durchhaltevermögen, trotz Abstandsregeln und Infektionszahlen die persönliche Begegnung zu ermöglichen. Das ist derzeit manchmal zermürbend, aber unersetzlich. Und die Sehnsucht vieler Menschen unterstreicht das.

Das ist zurzeit aber nicht leicht zu organisieren.

Wir sind in der Kirche gut und gut geübt in Selbstmitleid: dass wir älter werden, weniger werden, dass wir es schwer haben. Wenn wir gelassen und mutig tun, was möglich ist, bringen wir vielleicht etwas mehr Gottesrelevanz in die Welt. Denn schließlich ist es Seine Kirche.

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