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Grundschule St. Peter soll umziehen – Schlechtere Bedingungen am neuen Standort

Streit um katholische Grundschule entzweit Wildeshausen

Die katholische Grundschule in Wildeshausen soll umziehen. Eltern und Lehrer protestieren schon lange gegen schlechtere Bedingungen am neuen Standort. Jetzt flammt der politische Streit neu auf - und entzweit eine ganze Stadt.

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Mitten im Gespräch ruft der Bürgermeister an. „Entschuldigung, da muss ich jetzt rangehen“, sagt Elena Lietzmann. Sie spricht kurz mit dem Kommunalpolitiker, legt auf. „Sie sehen, das Thema ist noch heiß“, sagt die Pädagogin. Der heftig umstrittene Umzug ihrer Schule nämlich.

Elena Lietzmann leitet die katholische Grundschule St. Peter in Wildeshausen. 184 Kinder in acht Klassen, gut 90 Prozent katholisch. In einer Stadt, in der nur 30 Prozent der Bevölkerung katholisch sind. Auch katholische Eltern aus umliegenden Orten melden ihre Kinder hier an.

Der Umzug bringt Probleme

In einer Schule, die jetzt in einer schweren Krise steckt. Aus Sicht der Stadtverwaltung soll sie im kommenden Sommer einfach nur in aufgegebene Gebäude einer anderen Schule umziehen, zu sonst gleichen Bedingungen. Eltern und Lehrerschaft sehen das anders: zu wenig Räume am neuen Standort, eine katastrophale Verkehrslage. Manche sehen sogar den Versuch, eine katholisch geprägte Schule gezielt auszutrocknen.

Elena Lietzmann hat ihr Amt im Februar 2017 übernommen, einen Tag, bevor der Stadtrat seinen Grundsatzbeschluss fasste, die Schule zu verlegen. Mit 15 gegen 14 Stimmen. „Ganz knapp also“, sagt Elena Lietzmann. „Aber ein demokratischer Beschluss, mit dem ich leben muss.“

Ist sie am neuen Standort noch gefragt?

Elena Lietzmann leitet die Grundschule St. Peter Wildeshausen in einer der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte. | Foto: Franz Josef Scheeben
Elena Lietzmann leitet die Grundschule St. Peter Wildeshausen in einer der schwierigsten Phasen ihrer Geschichte. | Foto: Franz Josef Scheeben

Sie will damit leben – aber auch für die Schule kämpfen. Damit deren pädagogisches Profil und die Arbeitsbedingungen nach dem Umzug wirklich gleich bleiben. Denn die Schule sei jetzt zwar gefragt. Aber wäre sie es am neuen Standort auch noch?

Dort sei etwa der Pausenhof viel zu klein, sagt die Schulleiterin, es gebe keinen Sportplatz und keinen Musikraum. Schwierig für Schwerpunktfächer der Schule. Über eine Lösung verhandelt sie mit Bürgermeister und Bauamt, inzwischen durchaus erfolgreich.

Zu viel Straßenverkehr vor der Schule

Nur eines lässt sich nicht so einfach lösen: die Lage des neuen Grundstücks. An einer viel befahrenen Durchgangsstraße. Zudem können nur drei oder vier Busse hier halten, die Schule wird aber von acht Schulbus-Linien angefahren. Wie größere Kinder mit dem Fahrrad sicher zur Schule kommen sollen, mag Elena Lietzmann sich nicht vorstellen.

Die Stadtverwaltung hat dafür ein neues Verkehrskonzept vorgelegt, darüber ist der politische Streit wieder aufgeflammt. Ein Streit, der es in sich hat. Die CDU-Fraktion im Stadtrat ist auch über dieser Frage zerbrochen. Sechs ihrer zehn Mitglieder haben eine neue Fraktion „Christliche Demokraten für Wildeshausen“ (CDW) gegründet. Sie reden mit, wenn im Schulausschuss des Stadtrats am 17. September über das Verkehrskonzept beraten wird.

Kritik an Katholiken

Der politische Streit ist in den zurückliegenden Monaten zum Teil sehr heftig gewesen; Sprüche wie „Ihr Katholiken immer mit euren Sonderwünschen“ waren dem Vernehmen nach zu hören. Auch: „Wir wollen keine katholische Schule mehr.“

Die Pfarrgemeinde St. Peter setzt sich konsequent für die Schule ein. Pfarrer Ludger Brock befürchtet, die bisherige räumliche Nähe zwischen Kirche und Schule würde durch einen Umzug „schweren Schaden“ nehmen. Die Gemeinde bewerte bewusst nicht den neuen Standort. Doch seien „wesentliche Teile der Zusammenarbeit gefährdet“.

Offizialat sorgt sich um Gleichwertigkeit

Sorgenvoller Blick auf Wildeshausen: Professor Franz Bölsker, Leiter der Schulabteilung im Bischöflichen Offizialat in Vechta. | Foto: Franz Josef Scheeben
Sorgenvoller Blick auf Wildeshausen: Professor Franz Bölsker, Leiter der Schulabteilung im Bischöflichen Offizialat in Vechta. | Foto: Franz Josef Scheeben

Im Bischöflichen Offizialat in Vechta beobachtet man die Lage mit Sorge. Franz Bölsker, Leiter der Schulabteilung dort, sieht ein grundsätzliches Problem. „Wenn eine katholische Grundschule schlechter gestellt wird als benachbarte Grundschulen, dann verstößt das gegen den Grundsatz der Gleichwertigkeit.“

Konkret: „Wenn katholische Eltern ihre Kinder wegen Baumängeln oder der Verkehrslage anderswo anmelden würden, dann wäre die sonst freie Wahl zwischen den Schulen beeinträchtigt.“

Bölsker warnt: „Es steht der Verdacht im Raum, dass starke Kräfte in Wildeshausen die Schule einfach weghaben wollen. Wenn die Eltern zur Schule stehen, dann eben durch Schlechterstellung und Austrocknung.“ Deswegen beziehe Offizialat in diesem Schulstreit auch deutlich Position.

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