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Kirche+Leben Lexikon

Synodaler Weg - was ist das? Fragen und Antworten

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen verbindlichen Synodalen Weg beschlossen. Dazu hat sich auch Papst Franziskus in einem Brief geäußert. Doch was ist der Synodale Weg? Dazu Fragen und Antworten.

Die katholischen Bischöfe in Deutschland haben einen verbindlichen Synodalen Weg beschlossen. Dazu hat sich auch Papst Franziskus in einem Brief geäußert. Am 30. Januar 2020 hat in Frankfurt am Main die inhaltliche Arbeit begonnen. Doch was ist der Synodale Weg? Dazu Fragen und Antworten.

Wie kam es zum Synodalen Weg?

Die Deutsche Bischofskonferenz hat auf ihrer Frühjahrsvollversammlung im März 2019 im emsländischen Lingen einen Synodalen Weg für die katholische Kirche in Deutschland beschlossen. Damit soll der Missbrauchsskandal aufgearbeitet werden. Ausgangspunkt war die Unzufriedenheit vieler Gläubigen, wie Kardinal Reinhard Marx als Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz auf der Abschluss-Pressekonferenz in Lingen sagte. Er betonte, die Mehrheit der Bischöfe sehe einen Veränderungsbedarf.

Was ist mit „Synodaler Weg“ gemeint?

Nach den Worten von Kardinal Marx ist eine strukturierte Debatte in einem verabredeten Zeitraum gemeinsam mit dem Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) vorgesehen. Marx und ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatten Anfang Juli 2019 einen ersten Fahrplan für den Reformdialog vorgestellt. Den Auftakt bildete ein erstes große Treffen vom 30. Januar bis 1. Februar 2020 in Frankfurt am Main. Die Regeln haben Bischofskonferenz und ZdK in einem Statut festgelegt. Der Dialog ist zunächst auf zwei Jahre angelegt.

Wer gehört zu den Teilnehmern?

Die Synodalversammlung besteht aus rund 230 Mitgliedern. Diesem Gremium gehören unter anderem die derzeit 69 Mitglieder der Deutschen Bischofskonferenz an sowie 69 Teilnehmer aus den Reihen des ZdK - 31 Frauen und 38 Männer. Auch weitere Gremien wie beispielsweise die Deutsche Ordensobernkoferenz, die diözesanen Priesterräte, die Arbeitsgemeinschaft Ständiger Diakonat, die Geistlichen Gemeinschaften und die Konferenz der Generalvikare entsenden Teilnehmer.

Welche Inhalte sind geplant?

Es soll in vier Foren unter anderem um folgende Punkte gehen:

- um die Aufarbeitung von Fällen von sexuellem Missbrauch in der Kirche und um den Missbrauch von Macht;
- um die Lebensform der Bischöfe und Priester;
- um die Sexualmoral der Kirche, die nach den Worten von Marx entscheidende Erkenntnisse aus Theologie und Humanwissenschaften noch nicht aufgenommen hat
- um Frauen in Diensten und Ämtern der Kirche.

Was ist noch geplant?

Dazu sind vier Foren vorgesehen. Alle Foren werden jeweils von einem Bischof und einem Laien geleitet.

Was sagt der Papst zum Synodalen Weg?

Papst Franziskus hat in einem Brief vom 29. Juni 2019 an die katholischen Christen in Deutschland das Anliegen des Synodalen Weges angesprochen. In dem Schreiben „An das pilgernde Volk Gottes in Deutschland“ ermutigt Franziskus zum Synodalen Weg bei der Erneuerung der Ortskirche, mahnt aber auch die Einheit der Weltkirche an. Der Papst erinnert zudem daran, die Evangelisierung mitzubedenken.

Spannend wird, welche Schlüsse Franziskus aus der Amazonas-Synode zieht. Wann er sein sogenanntes postsynodales Schreiben veröffentlicht, steht noch nicht fest. Beobachter rechnen bis Ende Januar damit. Das könnte die Frankfurter Debatten beeinflussen.

Warum gibt es einen Synodalen Weg, aber keine Synode?

Von 1971 bis 1975 gab es eine gemeinsame Synode der Bistümer in der Bundesrepublik Deutschland. Sie tagte in Würzburg und hatte das Ziel, die Verwirklichung der Beschlüsse des Zweiten Vatikanischen Konzils (1962 bis 1965) zu fördern. Nach dem Kirchenrecht von 1983 (Codex iuris canonici) müsste für eine deutsche Nationalsynode ein Antrag in Rom eingereicht werden. Bis zu einer Antwort hätte es gedauert. Außerdem können aus der Sicht des Vatikans bestimmte Themen nicht angesprochen werden, weil sie in der Weltkirche geklärt werden müssten. Dazu gehören etwa Fragen der Weiheämter für Frauen und der Pflichtzölibat.

Gibt es Vorläufer des Synodalen Wegs?

Von 2011 bis 2015 gab es als Reaktion auf das Bekanntwerden von Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche einen Gesprächsprozess der Deutschen Bischofskonferenz. Dabei ging es um die Herausforderungen der Kirche. Die Bischöfe hatten jedoch von vornherein bestimmte Themen ausgeklammert, um Konflikte mit dem Vatikan zu vermeiden. Das sieht Kardinal Marx heute rückblickend als falsch an: „Das machen die Leute nicht mehr mit, da war eine große Unzufriedenheit“, sagte er in Lingen.

Gibt es Kritik am Synodalen Weg?

Eine Minderheit der Bischöfe, darunter der Kölner Kardinal Rainer Maria Woelki und Regensburgs Bischof Rudolf Voderholzer, hegen Vorbehalte. Entscheidungen stünden letztlich allein den Bischöfen zu: „Es gilt schon, den Eindruck zu unterbinden, es ginge um eine quasi parlamentarische Abstimmung über den Glauben.“

Immer wieder Gegenstand von Diskussionen ist, welche Wirkung die Beschlüsse letztlich haben werden. Während viele konkrete Änderungen erhoffen und eine der letzten Chancen sehen, die aktuelle Krise zu überwinden, verweisen andere darauf, dass die besonders strittigen Themen nicht in Deutschland entschieden werden könnten; dies könne nur mit dem Vatikan und mit Blick auf die Weltkirche geschehen.

(Zuletzt aktualisiert am 6. Februar 2020.)

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