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CDU-Politiker: Fleischwirtschaft hat sich geändert

Visbeks Bürgermeister Meyer kritisiert Prälat Kossen

Wie sieht es aus mit der Situation der Arbeitsmigranten in der Fleischwirtschaft im Oldenburger Land? Prälat Peter Kossen erhebt nach wie vor schwere Vorwürfe – Widerspruch bekommt er vom Visbeker Bürgermeister Gerd Meyer (CDU).

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Peter Kossen hält die Situation der Arbeitsmigranten in den Schlachtbetrieben nach wie vor für unbefriedigend. Er wiederholt seine schweren Vorwürfe gegen Werkvertrags- und Zeitarbeitsfirmen und spricht von „Wegwerfmenschen“ und „Sklavenhaltern“. Seit Jahren ändere sich nichts an der Arbeits- und Wohnsituation der Schlachtarbeiter, kritisierte der Lengericher Pfarrer vor einigen Wochen in einer Caritas-Veranstaltung im Antoniushaus in Vechta.

Widerspruch bekommt er vom Visbeker Bürgermeister Gerd Meyer, der sich auch im Gespräch mit „Kirche+Leben“ äußerte. Meyer wirft Kossen vor, einen falschen Eindruck zu erzeugen. Zwar lobt der CDU-Politiker ausdrücklich die Hartnäckigkeit und den Einsatz des Priesters zugunsten der Leiharbeiter. Doch nach seiner Ansicht vermittelt Kossen ein Zerrbild, wenn er behaupte, niemand gehe gegen die Missstände vor. Tatsächlich habe sich in Visbek schon einiges getan „und, ja, wir müssen dran bleiben“.

Meyer: Vorwürfe bringen Gemeinde in Misskredit

Die Hähnchen von Wiesenhof sind die bekannteste Marke aus Visbek. Sie kommen von der PHW-Gruppe, einem der größten Unternehmen der deutschen Lebensmittelindustrie, das mit seinen Tochtergesellschaften nach eigenen Angaben auf den Gebieten der Produktion und Vermarktung hochwertiger Geflügelspezialitäten tätig ist. Die Buchstaben PHW haben mit dem Namen Paul-Heinrich Wesjohann zu tun.

Gegen das Vorgehen dieser Unternehmen und ihrer Zulieferer richtet sich unter anderem auch die Kritik von Kossen, der selbst aus dem Kirchdorf Rechterfeld stammt, das zur Gemeinde Visbek gehört. Meyer wirft dem Priester vor, pauschale, undifferenzierte Vorwürfe zu erheben. Der Bürgermeister möchte nicht, dass seine Gemeinde in ungerechtfertigter Weise in Misskredit gebracht wird.

Meyer: Enge Abstimmung mit Betrieben, Landkreis, Polizei

Meyer zählt auf, was sich aus seiner Sicht bereits verbessert hat: So gibt es nach seinen Angaben klare Rechtsvorschriften für die Modalitäten der Bezahlung – Mindestlohn, zusätzliche Betriebsvereinbarungen unter Beteiligung der Gewerkschaften, Regelungen für die Unterbringung. „Hier hat der Landkreis Vechta die höchsten Anforderungen festgeschrieben“, betont Meyer. Die niedersächsische Landesregierung investiere bis 2020 etwa 2,2 Millionen Euro für Beratungsstellen.

Als Bürgermeister setze er vor Ort alles daran, Missstände abzustellen. Der CDU-Politiker nannte dazu im Gespräch mit „Kirche+Leben“ die enge Abstimmung mit den Betrieben, dem Landkreis, der Polizei und den caritativen Einrichtungen.

„Verrohende Wortwahl“

Meyer wörtlich: „Dabei ist es mir auch besonders wichtig, dass nicht durch verallgemeinernde Aussagen die Unternehmen diskreditiert werden, die hier neue Wege gehen und bei denen die Mitarbeiter – dazu gehören selbstverständlich auch die Arbeitsmigranten – mit Wertschätzung und Respekt behandelt werden.“

Für „verrohend“ hält der Visbeker Bürgermeister die Wortwahl Kossens, wenn dieser die Unternehmer als „Sklavenhalter“ bezeichne und wenn der Priester sage, die Arbeiter würden wie „Wegwerfmenschen“ behandelt. Kossen selbst formuliert dagegen nach eigenem Bekunden bewusst drastisch, um seinem Anliegen in der Öffentlichkeit Gehör zu verschaffen.

Gemeinsames Gespräch

Der Pfarrer hatte Ende Oktober in einer Veranstaltung des Landes-Caritasverbandes im Antoniushaus in Vechta gesagt: „Das System der Ausbeutung läuft und läuft und läuft.“ Dazu hatte der Bürgermeister ein vorbereitetes Statement verlesen – allerdings unter den rund 100 Zuhörern wenig Zustimmung gefunden.

In dieser Woche wollen Kossen und Meyer miteinander reden – und man darf gespannt sein, was bei diesem Gespräch herauskommt.

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