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Gemeindemitglieder wollen Willkommenskultur in St. Marien Oldenburg verbessern

Warum eine Pfarrei alle Gottesdienstbesucher persönlich begrüßt

„Wir wollen keine geschlossene Gesellschaft sein!“ Eine Pfarrgemeinde in Oldenburg will diesem Anspruch noch mehr gerecht werden – und geht dafür neue Wege.

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„Niemand soll einsam und verlassen rumstehen!“, sagt Doris Tranel. Besonders, wenn er zum ersten Mal zum Gottesdienst da ist. Die Pfarreiratsvorsitzende von St. Marien Oldenburg erklärt genauer, was sie meint: „Jeder weiß doch, wie das ist: Wenn man neu in eine Gruppe kommt und sieht, wie vertraut sich die anderen begrüßen – und man selbst steht erst einmal außen vor.“

So ähnlich hat es Annette Schlick vor 32 Jahren erlebt. Damals war die Emsländerin nach Oldenburg gezogen und dem Tipp einer Bekannten gefolgt: „St. Marien könnte das Richtige für dich sein.“ Aber es war erst einmal gar nicht so einfach.

Die Gemeinde will keine geschlossene Gesellschaft sein

„Anfangs hatte ich totale Schwierigkeiten, Anschluss zu finden“, sagt sie. „Wir sind ganz offen!“ – so seien alle überzeugt gewesen. „Aber das stimmte gar nicht. Es gab durchaus geschlossene Gruppen und Grüppchen.“ Und es dauerte eine ganze Zeit, bis sie begann, sich heimisch zu fühlen.


Annette Schlick gehört zum Begrüßungsteam. | Foto: Michael Rottmann

Genau diese Erfahrung hat Annette Schlick dazu gebracht, bei einem Projekt mitzumachen, das neuen Gesichtern seit kurzem den Zugang zur Gemeinde erleichtern will: beim neuen Begrüßungsdienst von St. Marien.

Für jeden ein Händedruck und die Einladung zum Kirchenkaffee

Schon 20 Minuten vor den Gottesdiensten in der St.-Marien- und in der St.-Christophorus-Kirche stehen die Helfer dafür zu zweit an den Portalen und begrüßen die Besucher persönlich. Für jeden gibt es einen Händedruck, die wöchentlichen Pfarrnachrichten und dazu die Einladung, nach der Messe noch auf ein Viertelstündchen zum Kirchenkaffee ins Pfarrheim zu kommen.

Die Anregung dazu kam aus den USA. Einige Gemeindemitglieder hatten sich das Ganze bei einem Amerika-Urlaub vor Ort angeschaut – und kamen begeistert zurück: „Das könnten wir doch auch machen!“

In der Kirche liegt auch eine Krabbeldecke

Schließlich hatte der Pfarreirat das Thema Willkommenskultur in Gottesdiensten auch bei der Diskussion des Pastoralplans zum Thema gemacht. „Was können wir tun, damit sich mehr Leute bei uns im Gottesdienst wohlfühlen? Um diese Frage ging es“, sagt Doris Tranel.

Der Begrüßungsdienst ist dabei nur einer von mehreren Bausteinen. Dazu zählt auch der Kirchenkaffee nach der Messe oder eine Krabbeldecke mit Spielzeug in der Kirche, die Familien mit Kindern die Teilnahme am Gottesdienst einfacher machen soll. Weitere Projekte sollen folgen.

Bewusst begrüßen Gemeindemitglieder und nicht der Pastor

Auf einen Dienstplan verzichtetdas Begrüßungsteam ausdrücklich. „Wir wollten neben Messdiener-, Lektoren- und Kommunionhelferplan nicht noch einen weiteren Plan“, sagt Doris Tranel. Stattdessen schreiben die Helfer in einer WhatsApp-Gruppe, wann sie welchen Gottesdienst besuchen wollen und ob sie sich mit vor die Tür stellen können. „Das funktioniert sehr gut“, freut sich die Pfarreiratsvorsitzende.

Auch in der benachbarten Martin-Luther-Kirche gehört die Begrüßung vor der Kirche schon seit Jahren fest dazu. Aber mit einem feinen Unterschied: Dort machen das die Pastöre. „Und das hat dann doch noch einen anderen Akzent“, sagt Schwester Innocentia Pieters, eine Franziskanerin, die im Helferteam mitmacht.

Es soll auch Werbung in eigener Sache sein

Das sieht auch Doris Tranel so: „Insofern ist das Ganze ja auch ein bisschen Werbung: Wenn Kirchenbesucher sehen, dass es Leute gibt, die sich hinstellen und für die Gemeinde einsetzen, dann kommen sie vielleicht auch selbst zu dem Schluss: Dann muss es ja auch Spaß machen, da mitzumachen.“

Und wie reagieren die Gottesdienstteilnehmer? „Anfangs waren manche irritiert. Aber inzwischen freuen sich die meisten“, sagt Doris Tranel. Sie erkennt das am Strahlen in den Gesichtern und an Sätzen wie „Ach, werden wir wieder toll begrüßt!“

Manche Älteren suchen das Gespräch

Denn das Team wendet sich nicht nur an neue, unbekannte Gesichter, sondern an alle. „Mit manchen kommt man ins Gespräch, andere belassen es bei einem kurzen ,Moin‘ als Reaktion“, sagt Schwester Innocentia Pieters.

Dass es oft nicht bei kurzen Begrüßungsformeln bleibt, das erlebt Annette Schlick gerade bei älteren Menschen, die alleine leben. „Da habe ich manchmal das Gefühl, sie wollen am liebsten noch viel mehr reden.“ Da bekomme das Angebot noch einmal einen besonderen Wert: „Als eine Art Signal: Ihr seid nicht alleine, ihr werdet gesehen und wahrgenommen.“

Die Gemeinde will Fremde in den Blick nehmen

Zur Begrüßung gehört immer auch die Einladung zum Kirchenkaffee nach dem Gottesdienst im Pfarrheim gleich nebenan. Und während die Eltern dort Zeit für Gespräche haben, können die Kinder in den Büchern der sonntags morgens geöffneten  Pfarrbücherei stöbern.

Das neue Willkommensangebot passt besonders zu Gemeinden in größeren Städten wie Oldenburg, vermutet Pfarrer Jan Kröger. Mit vielen Zugezogenen, mit Studenten und auch mit Menschen verschiedener Nationalitäten. Die St.-Marien-Pfarrei hat auch sie im Blick, bietet etwa regelmäßig Gottesdienste in englischer Sprache.

Es ist nur einer von mehreren Bausteinen

Und? Hat das neue Angebot in der kurzen Zeit schon etwas verändert in der Gemeinde? Schwester Innocentia zuckt mit den Schultern. „Das kann man schlecht sagen. Es ist ja nicht die einzige Aktion, die bei uns läuft. Aber darum geht es ja auch nicht. Sondern darum, dass die Leute spüren: Sie sind willkommen bei uns. Das ist schon viel.“

Auf ein zählbares Ergebnis kann Pfarrer Jan Kröger dennoch verweisen: „Wir werden jetzt unser Sonntagsblättchen besser los, weil jeder eines in die Hand gedrückt bekommt. Früher landete mehr davon ungelesen im Altpapier.“

 

Weitere Tipps und Beispiele zum Thema Willkommenskultur in der Kirche finden Sie in unserer Wochenzeitung „Kirche+Leben“ (Ausgabe vom 11. November), die Sie hier – auch als E-Paper – bestellen können.

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