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Weihbischof Christoph Hegge besucht das Dekanat Bocholt

Wenn der Bischof zur Visitation kommt

Im Abstand einiger Jahre werden die Pfarreien von den zuständigen Bischöfen visitiert. Wie läuft eine solche Visitation ab? Wer nimmt daran teil? Eindrücke vom Besuch von Weihbischof Christoph Hegge im Dekenat Bocholt

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Für Weihbischof Christoph Hegge ist es ein langer Tag. Bis in die späten Abendstunden diskutiert er in Bocholt mit Familien, Seelsorgerinnen und Seelsorgern, pädagogischen Fachkräften und den Mitarbeiterinnen der Ehe-, Familien- und Lebensberatungsstelle (EFL) über die Lebenssituation von Familien und jungen Paaren, über deren Wünsche und Herausforderungen und nicht zuletzt über die kirchlichen Angebote, über die Arbeit in der Pfarreien, aber auch darüber, was Kirche tun kann und muss, um den Anschluss an die junge Generation nicht zu verlieren.

Offiziell heißen die Begegnungen Visitation. Sie ist der Besuch des zuständigen Bischofs in den Pfarreien. Dabei geht es vor allem um den Austausch zwischen dem Bistum und den Verantwortungsträgern in der Pfarrei. Alle fünf Jahre soll ein Dekanat „visitiert“ werden. In diesem Fall ist es das Dekanat Bocholt.

Hegge lobt EFL-Beratungsstellen

Gut vorbereitet hat Dechant Rafael van Straelen den Tagesablauf, der in der EFL-Beratungsstelle beginnt. „Ich nehme viele Anregungen mit. Für mich sind die Informationen wichtig. Die EFL-Beratungsstellen leisten wertvolle Arbeit“, sagt Hegge.

Dass alle EFL-Angebote für die Ratsuchenden kostenlos seien, dürfe ruhig offensiver kommuniziert werden wie auch die Tatsache, dass die Einrichtungen zum größten Teil aus Kirchensteuern unterhalten werden, sagt Hegge. „Wir möchten, dass Ehe und Partnerschaft gelingen, und wir möchten Menschen, die in schwierigen Situationen stecken, helfen.“ Dafür setze er sich auch auf Bistumsebene ein, wie er den EFL-Mitarbeiterinnen um deren Leiterin Claudia Maria Hardeweg versichert.

Persönliche Gespräche mit Familien

Sehr persönlich geht es im Haus von Claudia und Roland Hüning zu. Es geht um das Familienleben, um Glaubensfragen, um die Frage, wie heute Jugendlichen Freude an Kirche und Glauben vorgelebt werden kann. Annegret Lubbers und Silvia Sieverding, beide aus der Pfarrei St. Gudula in Rhede, sowie das Bocholter Ehepaar Ute und Holger Büning sprechen mit Pastoralreferentin Vanessa Bücker über Reformen in der Kirche, die nötig seien, über attraktivere Gottesdienste und über Angebote nach der Zeit der Firmung.

„Wir sind alle kirchlich engagiert und möchten, dass auch unsere Kinder das Positive in der Kirche schätzen. Aber Finanzskandale und der Kindesmissbrauch haben auch uns erschüttert“, sagt eine Mutter, die seit vielen Jahren in der Katechese mitarbeitet. Weihbischof Hegge greift auch die schwierigen Themen auf, beschönigt nichts, fordert mehr Transparenz, weniger Hierarchie und vor allem eine offene Gesprächskultur.

Gemeindearbeit bekommt gute Noten

„Dass wir hier so gut miteinander sprechen, uns austauschen und gegenseitig ermutigen, für Kirche und Gemeinde etwas zu tun, ist schon klasse“, findet Roland Hüning.

Viel Anerkennung bekommen im Gespräch die Pfarrer und die Seelsorgeteams der Pfarreien in Bocholt, Rhede und Isselburg, die „vieles ermöglichen und engagiert Jugendarbeit fördern“, sagt Annegret Lubbers. „Auch uns tut ein positives Feedback gut“, sagt Dechant van Straelen zum Schluss des Gesprächs, in dem die Rolle der Eltern für die Glaubensvermittlung betont wird. „Die Eltern sind es zuerst, die die Kinder an den Glauben heranführen“, betont der Weihbischof und erwähnt das Gebet mit Kindern und das schöne Zeichen, wenn Eltern ihre Kinder segnen.

„Dinner for Two“ für junge Paare

Der Austausch über Ehevorbereitung, Ehepastoral und Unterstützungsangebote für Paare in den Pfarreien des Dekanats Liebfrauen, St. Josef, St. Georg und St. Gudula zeigt dem Weihbischof später, wie sehr die Pfarreien bemüht sind, mit  jungen Paaren in Kontakt zu kommen, sei es durch ein Fünf-Gänge-Menü „Dinner for Two“, die Einladung zum Valentinstag mit Einzelsegnung und durch Treffen für alle Eltern, die in einem Jahr eine Taufe gefeiert haben.

Nach einem Gottesdienst in der Agnes-Kapelle kommt Christoph Hegge in den Abendstunden mit mehreren hundert pädagogischen Fachkräften der Tageseinrichtungen für Kinder zusammen. In der Sky-Lounge des Textilwerks lobt der Weihbischof die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter: „Was soll ich sagen? Unsere Kitas leisten eine tolle Arbeit.“

In den nächsten Wochen wird Hegge die Visitation fortsetzen und zahlreiche kirchliche Einrichtungen und Gremien besuchen.

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