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Laien-Vertretung will Präsenz in der Hauptstadt verbessern

Zentralkomitee der deutschen Katholiken zieht nach Berlin

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) hat sich für einen Umzug nach Berlin entschieden. Das höchste Gremium des deutschen Laien-Katholizismus will diesen Beschluss 2022 umsetzen.

 

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Nun ist es beschlossene Sache: Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken (ZdK) zieht von Bonn nach Berlin um. Zur Begründung für den Standortwechsel, der zum Jahr 2022 geschehen soll, wird vor allem eine größere Nähe zu politischen Entscheidungsträgern genannt. Die politische, mediale und gesellschaftliche „Präsenz“ des ZdK würde durch einen Umzug des Generalsekretariats nach Berlin verbessert. „Die Musik spielt in Berlin“, sagte ZdK-Präsident Thomas Sternberg.

Das Präsidium des höchsten Gremiums der katholischen Laien in Deutschland hatte sich bereits mehrheitlich für den Umzug des ausgesprochen. Und auch eine „Tendenzabstimmung“ im Hauptausschuss des ZdK hatte 18 zu 4 Stimmen für einen Komplettumzug des Generalsekretariats in die Hauptstadt ergeben. Am Freitag traf nun die in Mainz tagende ZdK-Vollversammlung die endgültige Entscheidung für Berlin.

Sternberg hatte für kompletten Umzug geworben

Die Vorlage sah grundsätzlich zwei denkbare Varianten vor: einen Verbleib des ZdK in Bonn mit Errichtung eines Verbindungsbüros in Berlin oder einen kompletten Umzug in die Hauptstadt. ZdK-Präsident Thomas Sternberg hatte für Letzteres verstärkt geworben. Bereits auf der Herbstvollversammlung hatte er dafür viel Rückhalt im Plenum erhalten. Gefordert wurde damals allerdings auch eine Klärung finanzieller Fragen.

Verwiesen wurde jetzt auch auf den „stark sanierungsbedürftigen“ Zustand der ZdK-Gebäude in Bonn. Für eine vollständige Sanierung wären mehr als zwei Millionen Euro nötig; ein Neubau würde - ohne Abrissarbeiten - rund 4,95 Millionen Euro erfordern, hieß es in dem der Vollversammlung vorliegenden Papier.

Neubau in Nähe der Friedrichstraße

In Berlin-Mitte eröffne sich dagegen die „einmalige Chance“, in der Johannisstraße 4 nahe der Friedrichstraße zu Mietkosten von jährlich 172.800 Euro einen Neubau zu beziehen. Dieser soll nun von der Aachener Grundvermögen Kapitalgesellschaft auf dem bisher unbebauten Grundstück errichtet werden, das der Militärseelsorge gehört. Dort soll das künftige „Haus des ZdK“ auch weitere katholische Verbände beheimaten. Baukosten hätte das ZdK laut ihrem Sprecher Theodor Bolzenius nicht zu tragen.

Das Zentralkomitee der deutschen Katholiken ist mit rund 170 Jahren Tradition die älteste nationale Einrichtung des deutschen Katholizismus. Seit seiner Nachkriegs-Wiedergründung 1952 sitzt das höchste repräsentative Gremium der katholischen Laien im Land in Bonner Stadtteil Bad Godesberg. Betroffen von einem Umzug sind rund 25 Mitarbeiter. Für sie sollen „individuelle Lösungen“ gefunden werden, so Sternberg. Längst nicht alle Mitarbeiter sind offenbar bereit, nach Berlin zu ziehen.

Überlegungen gibt es seit 1991

Bonn war nach dem Zweiten Weltkrieg der letztlich logische Standort. Die Bischöfe hatten dort das Katholische Büro etabliert, als ihre offizielle Vertretung gegenüber Staat und Politik. Doch seit dem Beschluss des Umzugs von Regierung und Parlament im Jahre 1991 gab es Überlegungen, ob das ZdK-Generalsekretariat seinen Sitz nicht auch in Berlin haben sollte. Das Katholische Büro - offiziell: Kommissariat der deutschen Bischöfe - war schon im Jahr 2000 in die Hauptstadt gezogen. Dagegen befindet sich das Sekretariat der Deutschen Bischofskonferenz, das die Bischöfe bei ihrer Aufgabenwahrnehmung unterstützt, weiterhin in Bonn. 

Die Standortfrage hing für das ZdK letztlich auch vom eigenen Selbstverständnis ab. Für Bonn sprach eher die Rolle eines Katholiken-Forums für innerkirchliche Diskussionen. Einen „ergebnisoffenen“ Beratungsprozess hatte einem früheren Medienbericht zufolge deshalb die Arbeitsgemeinschaft der katholischen Organisationen Deutschlands gefordert, deren Delegiertenversammlung 97 Vertreter in die ZdK-Vollversammlung entsendet.

Nähe zu Politik und Medien zentral

Doch das ZdK sieht sich laut der Beratungsvorlage als Organisation mit vorwiegend politisch-gesellschaftlichen Aufgaben. Und da sei die Nähe zum politischen Geschehen und Gestalten von „zentraler Bedeutung“. In Berlin liege inzwischen „das politische, mediale und gesellschaftliche Zentrum der Bundesrepublik“, heißt es in dem Papier. In der Hauptstadt gestalte sich der Zugang zur Presse und sonstigen Medien in der Hauptstadt „erheblich leichter“ als in Bonn.

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